Burkina Faso holt sich sein Gold zurück: „Natürliche Ressourcen gehören dem Volk“
Ouagadougou. Klarer Fall von De-Kolonialisierung: Burkina Faso will die Goldindustrie des Landes unter eigene Kontrolle bringen und die Wertschöpfung im eigenen Land behalten. Präsident Ibrahim Traoré eröffnete am Montag in der Hauptstadt Ouagadougou die erste nationale Goldraffinerie. Das westafrikanische Land gehört zu den bedeutenden Goldproduzenten Afrikas. Doch bislang wurde das geförderte Edelmetall zu einem großen Teil zur Weiterverarbeitung ins Ausland gebracht – das Land selbst sieht nichts von seinem Reichtum.
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Das soll sich nun ändern. Die seit 2023 errichtete Anlage kann zunächst jährlich 164 Tonnen Gold verarbeiten. Langfristig soll ihre Kapazität auf 515 Tonnen steigen. Finanziert wurde der Bau durch den Staat und einheimische Privatinvestoren. Traoré bezeichnete die Eröffnung als „Meilenstein im Streben nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit“. Seine Regierung wolle nicht länger lediglich Rohstoffe fördern und exportieren. „Unser Ziel ist es nicht mehr, ein Land zu sein, das lediglich seine Rohstoffe abbaut und ins Ausland verschifft. Wir wollen alle unsere Metalle vor Ort veredeln“, erklärte der Präsident. Die gesamte Wertschöpfungskette solle künftig im Land angesiedelt sein.
Der Militärmachthaber, der sich 2022 an die Macht geputscht hatte und als erstes aus neo-kolonialen Knebelungsverträgen mit der EU und vor allem Frankreich ausgestiegen war, will diesen Anspruch auch bei der Förderung des Edelmetalls durchsetzen. Ausländische Bergbauunternehmen müssen damit rechnen, ihre Abbaurechte zu verlieren. Traoré begründete den Kurs mit der Fähigkeit des Landes, seine Bodenschätze selbst auszubeuten: „Wir werden den Bergbauunternehmen die Genehmigungen für den Goldabbau in unserem Land entziehen. Wir wissen, wie wir unser Gold abbauen können, und ich verstehe nicht, warum wir multinationalen Unternehmen erlauben, es zu fördern.“
Welche Unternehmen betroffen sind, ist bislang unklar. Zu den internationalen Förderern zählen die britische Endeavour Mining, die russische Nordgold, die kanadische Orezone Gold Corporation und die australische West African Resources. Letztere teilte am 8. Oktober mit, ihr sei zugesichert worden, die Bergbaulizenz behalten zu dürfen. Die Ankündigungen Traorés richteten sich demnach offenbar gegen Unternehmen, die gegen die Gesetze Burkina Fasos verstießen. Gesetzestreue Firmen sollten ihre Lizenzen behalten können.
Die Regierung hat bereits in der Vergangenheit Fakten geschaffen: 2025 wurden zwei Goldminen verstaatlicht, deren Rechte zuvor mit Unternehmen von Endeavour Mining und der Firma Lilium verbunden waren. Traorés erklärtes Ziel ist es, die Kontrolle über die mineralischen Ressourcen des Landes auszubauen und den Einfluß ausländischer Konzerne zurückzudrängen.
Gold ist Burkina Fasos wichtigstes Exportgut. Rund 430.000 Menschen arbeiten in mehr als 440 Minen. Die Regierung will erreichen, daß die Bevölkerung stärker vom Rohstoffreichtum profitiert. Traoré formulierte den Anspruch grundsätzlich – und kleidete ihn in Worte, mit denen er sich beim internationalen Finanzkapital keine Freunde machen dürfte: „Natürliche Ressourcen gehören dem Volk. Sie müssen zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen beitragen, im Einklang mit der Umwelt, der sozialen Gerechtigkeit und im Interesse der zukünftigen Generationen.“ Zugleich kritisierte er die bisherige Verteilung der Erträge: „Heute brechen wir diese Abhängigkeit. Unser Gold wird nicht mehr verwendet, um weitere Werte für andere zu schaffen, um Fortschritte für andere aufzubauen, während unser Volk in Not bleibt.“ (mü)
Bild von PublicDomainPictures auf Pixabay
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