Abfuhr für Brüssel: Jotowa gewinnt Stichwahl mit deutlichem Vorsprung
Sofia. Die Hängepartie ist vorbei – die bulgarische Präsidentin Ilijana Jotowa hat die Stichwahl mit deutlichem Abstand gewonnen. Die 62jährige Amtsinhaberin kam auf 57,4 bis 58,2 Prozent der Stimmen; ihr prowestlicher Herausforderer Andrej Gjurow erreichte lediglich 38,6 bis 39,6 Prozent. Gjurow räumte seine Niederlage noch am Wahlabend ein.
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Jotowa hatte das höchste Staatsamt im Januar von Rumen Radew übernommen, der zurücktrat und inzwischen Ministerpräsident ist. Im Wahlkampf präsentierte sie sich als „Präsidentin des Friedens“. Sie wirbt für einen Dialog mit Moskau und lehnt weitere Militärhilfen für die Ukraine ab. Zugleich bekennt sie sich zur EU- und NATO-Mitgliedschaft Bulgariens. Ihre Botschaft habe sich auf „Einkommen, Frieden und die vor uns liegenden Herausforderungen“ konzentriert, erklärte sie nach Bekanntwerden des Ergebnisses.
Der Urnengang war von Spannungen im Schwarzen Meer überschattet. Anfang und Mitte Oktober waren vor der bulgarischen Küste vier Handelsschiffe von Drohnen getroffen worden; 21 Menschen gelten seither als vermißt und vermutlich tot. Gjurow warf Jotowa vor, Rußland nicht ausdrücklich für die Angriffe verantwortlich gemacht zu haben. Ministerpräsident Radew bestellte zwar die russische Botschafterin ein, vermied aber eine offizielle Schuldzuweisung.
Die Soziologin Borjana Dimitrowa von Alpha Research erklärte, Jotowa habe sich erfolgreich als Friedenspräsidentin dargestellt: „Die Angst vor dem Krieg wurde ausgenutzt.“ Im ersten Wahlgang hatte sie mit 35 Prozent nur knapp vor Gjurow mit 32 Prozent gelegen. Die Wahlbeteiligung stieg von historisch niedrigen 23 Prozent auf geschätzte 27 bis 29 Prozent.
Die Regierung hatte im Juni Waffenlieferungen aus Armeebeständen an Kiew gestoppt und sich aus der „Koalition der Willigen“ zurückgezogen. (mü)
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