Die Apokalypse von Dresden – Vor 74 Jahren wurde die Elbmetropole von den Alliierten ausgelöscht

13. Februar 2019
Die Apokalypse von Dresden – Vor 74 Jahren wurde die Elbmetropole von den Alliierten ausgelöscht
Geschichte
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Im Februar 1945 lag der Zweite Weltkrieg in den letzten Zügen, auch wenn an allen Fronten noch erbittert, ja verzweifelt gekämpft wurde. Im Osten wie im Westen waren die Grenzen des darniederliegenden Reiches längst auf breiter Front von den vorrückenden Alliierten überschritten worden, deren Armeekeile seither immer weiter ins Reichsgebiet vordrangen. Auch der Luftkrieg gegen die deutschen Städte ging im fünften Kriegsjahr erbarmungslos weiter. An eine wirksame Luftverteidigung war angesichts der gnadenlosen Überlegenheit der Anglo-Amerikaner an Menschen und Material nicht mehr zu denken. Längst war eine Vielzahl deutscher Städte mit unersetzlichen Kunst- und Baudenkmälern dem Bombenkrieg zum Opfer gefallen, die Zahl der im Feuersturm und in den Luftschutzkellern ums Leben Gekommenen ging in die Hunderttausende.

Aber noch immer kannte die Vernichtungswut der alliierten Bomberstrategen kein Erbarmen. Es war, wie die Historiker längst wissen, kein geringerer als der britische Kriegspremier Winston Churchill persönlich, der seinem Bomber Command das bis dahin wie durch ein Wunder unbeschädigt gebliebene Dresden als Ziel eines der furchtbarsten Vernichtungsangriffe des ganzen Krieges anwies. Er wollte die Moral der Zivilbevölkerung durch Terrorangriffe brechen. Zur Bombardierung von Dresden ist von ihm das Wort überliefert: „Ich will die Deutschen braten.“

Den Vollstreckungstermin für das Todesurteil bestimmt letztlich der britische Wetterbericht. Die Meteorologen sagen am Mittag des 13. Februar 1945 eine weitgehend wolkenlose und klare Nacht über der Elbmetropole voraus. In High Wycombe, dem Hauptstützpunkt des Bomber Command, gibt Air Chief Marshal Arthur Harris („Bomber-Harris“) daraufhin grünes Licht für die Mission „Chevin“.

Gemeinsam mit amerikanischen Bomberstaffeln soll Dresden in mehreren Angriffswellen in Schutt und Asche gelegt werden. An den Zielen der Operation läßt Harris keine Zweifel: „Mit dem Angriff ist beabsichtigt, den Feind dort zu treffen, wo er es am meisten spüren wird. Hinter einer teilweise schon zusammengebrochenen Front gilt es, die Stadt im Zuge weiteren Vormarschs unbenutzbar zu machen und nebenbei den Russen, wenn sie einmarschieren, zu zeigen, was das Bomberkommando tun kann“, lautet Harris’ unmißverständlicher Auftrag an seine startbereiten Staffeln.

Zu Beginn des Krieges zählt Dresden knapp 630.000 Einwohner. Die nach Berlin zweitgrößte Stadt im Osten ist ein wichtiger Kommunikations- und Verkehrsknotenpunkt. Über Dresden werden nicht nur die Truppen- und Materialnachschübe an die Ostfront abgewickelt. Seitdem die deutschen Ostprovinzen vor der heranrückenden Roten Armee evakuiert werden, strömen Hunderttausende Flüchtlinge nach Westen. Allein in Dresden, schätzen Historiker, drängen sich im Februar 200.000 Evakuierte oder andere ortsfremde Personen. Dazu kommen 50.000 Flüchtlinge, die schon länger in Dresden untergebracht sind. Genaue Zahlen gibt es nicht. Der Chef des Verteidigungsbereiches, General Mehnert, spricht von 1,3 Millionen.

Der Bürgermeister i.R. Dr. Petermann schrieb an den britischen Historiker David Irving, ihm sei eine Mitteilung des sächsischen Innenministeriums bekannt, nach der Anfang 1945 rund eine Million Lebensmittelkarten an Bewohner der Stadt ausgegeben worden seien. Durchreisende und Flüchtlinge sind in dieser Zahl nicht enthalten.

Die erste tödliche Welle übernimmt am Abend des 13. Februar die 5. Bomberflotte der Royal Air Force (RAF). 245 viermotorige „Lancaster“-Bomber sowie neun wendige „Mosquito“-Jagdbomber brechen am frühen Abend Richtung Dresden auf. Um 21.39 Uhr wird in der Elbmetropole Fliegeralarm ausgelöst. Die Menschen suchen hastig in ihren Kellern oder den wenigen Luftschutzbunkern der Stadt Schutz. Bei wolkenlosem Nachthimmel bestellen die schnellen, zweimotorigen „Mosquitos“ das Terrain, indem sie mit mehreren Leuchtbombenbündeln die Nacht zum Tag machen. Um 22.05 Uhr fallen über dem Fußballstadion auf dem Ostragelände die ersten Markierungsbomben. Acht Minuten später bricht das Inferno los: Um 22.13 Uhr schlagen die ersten Bomben ein.

In nur 24 Minuten gehen insgesamt 900 Tonnen Sprengstoff auf das historische Stadtzentrum nieder. Gezielte Treffer einzelner Gebäude sind in der Nacht unmöglich – und von den Strategen der Royal Air Force auch gar nicht geplant. Vielmehr soll auf einer kleinen Fläche in einem 45-Grad-Korridor ein dichter Bombenteppich gelegt werden, der einen Feuersturm entfachen soll. Der Plan geht auf: Nach wenigen Minuten steht die gesamte Innenstadt in Flammen. Eine Feuerwalze frißt sich durch die zerbombten Straßen.

Für die 529 „Lancaster“-Piloten der zweiten und größten Angriffswelle muß das Ziel nachts um 1.23 Uhr nicht mehr markiert und ausgeleuchtet werden: Dresden brennt bereits lichterloh und ist aus der Luft schon aus einer Entfernung von hundert Kilometern zu sehen. 31 Minuten lang klinken die Besatzungen von vier RAF-Bomberflotten über der Stadt ihre tödliche Fracht aus: 1.500 Tonnen Sprengstoff. Ziel ist es, die Löscharbeiten am Boden zu verhindern.

Den dritten Angriff fliegt am Mittag des 14. Februar die United States Army Air Forces (USAAF). 316 B-17-Bomber werfen noch einmal 770 Tonnen Spreng- und Stabbrandbomben ab. Die Stadt ist nach allen Regeln des Luftkrieges ausgelöscht worden.

Das Zentrum der barocken Elbmetropole ist auf einer Fläche von rund 15 Quadratkilometern nahezu vollständig zerstört. Neben 25.000 Häusern und 90.000 Wohnungen liegen auch Semperoper, Schloß, Sophienkirche und Zwinger in Schutt und Asche. Am Vormittag des folgenden Tages bricht das ausgeglühte Mauerwerk der Frauenkirche in sich zusammen. Dresden ist nicht mehr.

Die Frage nach der Zahl der Opfer beschäftigt die Geister noch nach Jahrzehnten. In einem Brief der Landeshauptstadt Dresden, Amt für Protokoll und Auslandsbeziehungen, schrieb die Sachgebietsleiterin Karin Mitzscherlich am 31. Juli 1992 auf eine private Anfrage, „gesicherten Angaben der Dresdner Ordnungspolizei zufolge wurden bis zum 20. März 1945 202.000 Tote, überwiegend Frauen und Kinder, geborgen. Davon konnten nur etwa 30 Prozent identifiziert werden. Einschließlich der Vermißten dürfte eine Zahl von 250.000 bis 300.000 Opfern realistisch sein. Entsprechende neuere Forschungen sind noch nicht abgeschlossen.“

Diese Opferzahl wurde seinerzeit durch den Oberst der Polizei Grosse gemeldet. Am 30. April 1945 gab der Ia (Erster Generalstabsoffizier) von Dresden, Oberstleutnant i.G. Mathes, an das Führerhauptquartier in Berlin die Nachricht durch, die Zahl der Todesopfer habe sich auf 253.000 erhöht. Von ihnen seien 36.000 voll identifiziert, während 50.000 anhand von Eheringen teilidentifiziert, dagegen 168.000 in keiner Weise mehr identifiziert werden konnten.

Wie viele Menschen genau im brennenden Dresden umkamen, wird sich nicht mehr klären lassen – zumal die Opferzahlen von zeitgeistschnittigen Amtshistorikern seit Jahren chronisch nach unten reduziert werden. Was bleibt, ist die Tatsache, daß der Untergang Dresdens im Februar 1945 ein Ereignis von apokalyptischen Dimensionen war – und eines der großen Verbrechen des Zweiten Weltkrieges. Es wurde niemals gesühnt.  Xaver Warncke

Bild: Leichenberg auf dem Dresdner Altmarkt, Februar 1945; Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-08778-0001/ Hahn /CC-BY-SA 3.0 [Bildformat bearb.]

Lesen Sie über den anglo-amerikanischen Bombenterror des Zweiten Weltkrieges auch das folgende Werk: https://lesenundschenken.de/buecher/militaer/luftwaffe/5493/bombenterror?number=110714

 

6 Comments

  1. Beobachter schreibt:

    Immer daran denken, niemals vergessen!

    In stiller Trauer aller deutschen Kriegstoten…

  2. Südwester schreibt:

    „Es wurde niemals gesühnt.“ Ja, das stimmt, bisher nicht. Geschichte hat aber die Eigenschaft, dass – trotz aller Propaganda – in Wahrheit niemals etwas vergessen und niemals etwas vergeben wird. Früher oder später schliesst sich der Kreis.

  3. Dr. W. Schauerte schreibt:

    Meine Mutter hat diese Hölle erleben müssen als Mitarbeiterin der Reichsbahn im Hauptbahnhof!

  4. cui bono? schreibt:

    Grausames und trauriges Bild.
    Unnötig umgebrachte Zig-tausende von Zivilisten fast am Ende des Krieges und die durch Napalm verbrannten, konnten nicht mal mitgezählt/bestattet werden…
    Mein Beileid allen, die da ihre Angehörigen verloren haben.

    Aber noch grausamer finde ich, dass es heute linke/grüne Spinner gibt, die den „Bomber Harris“ bejubeln…

  5. Bernd Sydow schreibt:

    Die Flächenbombardierung deutscher Wohnviertel durch die alliierten Luftstreitkräfte – insbesondere der britischen – im Zweiten Weltkrieg war ein Kriegs- und Menschheitsverbrechen erster Kategorie! Punkt. Im übrigen war der militärische Nutzen davon gering. Die Auslöschung der Barockstadt Dresden war Höhepunkt und Abschluß dieser alliierten Terrorbombardements.

    Der jüdische Romanistik-Professor Victor Klemperer war zusammen mit seiner christlichen Ehefrau unmittelbarer Zeuge dieser Terrorbombardierungen. Er schildert ihre schrecklichen Erlebnisse detailreich in seinen ‚Tagebüchern 1933-45‘. Jene, mit denen er vor der Bombennacht sprach, waren überzeugt, daß die Alliierten Dresden wegen seiner Vielzahl an Kunst- und Baudenkmälern verschonen würden – was sich als tödlicher Irrtum erwies. Jene Menschen, die in ihrer Panik in die Elbe sprangen, verbrannten, weil die Bomberbesatzungen sie mit Phosphorbomben belegten (Phosphor „brennt“ auch in Verbindung mit Wasser).

    Heute steht in London ein Denkmal des Organisators der Terrorbombardierungen, Luftmarschall Arthur Harris, der in den Augen der Briten – und unserer linksextremen Antideutschen – ein Held ist. Daß unser Bundespräsident bzw. unsere Kanzlerin sich jemals dazu geäußert hätten, ist mir nicht bekannt.

  6. Ronald Wilczynski schreibt:

    Gott sei Dank werden auch diese Verbrechen dereinst gesühnt werden und die Verantwortlichen sind nicht zu beneiden!

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