Wohnraum für Einheimische erhalten: Gemeinden wehren sich gegen Zweitwohnungen

14. August 2019
Wohnraum für Einheimische erhalten: Gemeinden wehren sich gegen Zweitwohnungen
Wirtschaft
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Berchtesgaden. Deutschlands Ferienorte sehen sich mißbraucht – als Zweitwohnsitze für „Geldige“. Aber jetzt soll damit Schluß sein: Berchtesgaden und Schönau lassen keine Zweitwohnungen mehr zu. Weitere bayerische Orte folgen bereits. Bundesweit wird das Beispiel aufmerksam beobeachtet.

Tourismusorte von Berchtesgaden bis Sylt haben schon seit längerem Probleme mit wachsenden Zahlen von Zweitmietern. Vielfach liegt die Zweitwohnungssteuer schon bei 20 Prozent der Kaltmiete. Das spült Geld ins Gemeindesäckel, schreckt aber betuchte Interessenten kaum ab. Berchtesgaden und Schönau am Königssee im Süden Bayerns gehen jetzt einen in Deutschland neuen Weg: die beiden oberbayerischen Gemeinden haben kurzerhand einen Zweitwohnungsstopp verhängt. Das könnte Schule machen.

Wohnraum ist deutschlandweit teuer und Mangelware – die Nutzung als Zweitwohnraum ist deshalb kontraproduktiv.

Der Stopp für neue Zweitwohnungen ist bisher ein Pilotmodell. Mehrere Rathauschefs halten es für möglich, daß die Regelung angegriffen wird. „Diese Regelung gilt für Orte, die überwiegend vom Fremdenverkehr bestimmt sind“, sagt Bernd Düsterdiek vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Sie sei nicht in jeder Kommune anwendbar. „Das wäre ein erheblicher Eingriff in Eigentumsrechte.“ Städte wie München, Hamburg oder Berlin können den Weg demnach nicht beschreiten. Berchtesgadens Vorgehen gegen die Rollladensiedlungen sei aber unterstützenswert, sagt Düsterdiek. „Wir halten das für einen sinnvollen Ansatz.“

Auch Wilfried Schober, Sprecher des Bayerischen Gemeindetages sieht darin Chancen, zumal bei der Zweitwohnungssteuer „der große Abschreckungseffekt“ nicht eingetreten sei: „Das ist ein komplett neuer Weg, um Wohnraum für die einheimische Bevölkerung zu erhalten und ihn betuchten Zuzüglern nicht zugänglich zu machen.“ (mü)

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