Leider nur Theaterdonner: US-Botschafter droht mit Teilabzug aus Deutschland

10. August 2019
Leider nur Theaterdonner: US-Botschafter droht mit Teilabzug aus Deutschland
International
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Washington/Berlin. Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hat der Nachrichtenagentur dpa gegenüber erneut die aus US-Sicht zu niedrigen Verteidigungsausgaben Deutschlands kritisiert und jetzt mit Konsequenzen gedroht. „Es ist wirklich beleidigend, zu erwarten, daß der US-Steuerzahler weiter mehr als 50.000 Amerikaner in Deutschland bezahlt, aber die Deutschen ihren Handelsüberschuß für heimische Zwecke verwenden“, sagte Grenell.

Zuvor hatte die US-Botschafterin in Polen, Georgette Mosbacher, getwittert: „Polen erfüllt seine Zahlungsverpflichtung von zwei Prozent des BIP gegenüber der NATO. Deutschland tut das nicht. Wir würden es begrüßen, wenn die amerikanischen Truppen in Deutschland nach Polen kämen.“

Trump hatte eine Truppenverlegung von Deutschland nach Polen bereits im Juni bei einem Besuch des polnischen Präsidenten Andrzej Duda in Washington ins Spiel gebracht.

Grenell pflichtete den beiden bei. „Präsident Trump hat recht, und Georgette Mosbacher hat recht“, sagte er. „Zahlreiche Präsidenten haben die größte Volkswirtschaft Europas gebeten, für ihre eigene Verteidigung zu zahlen. Das ist eine Bitte, die sich über viele Jahre und viele Regierungen hingezogen hat.“ Nun sei man an dem Punkt angelangt, an dem die Amerikaner und der US-Präsident reagieren müßten.

Gerüchte über eine Truppenreduzierung aus Verärgerung über die deutschen Militärausgaben gibt es schon länger. Sie wurden aber immer wieder dementiert. Beobachter halten auch die jüngsten Einlassungen des US-Botschafters für reinen Theaterdonner – die Bundesrepublik ist für die US-Logistik im gesamten euro-afrikanischen Raum und als Aufmarschraum der NATO gegen Osteuropa viel zu wichtig, als daß amerikanische Abzugs-Ankündigungen ernstgenommen werden könnten. (mü)

 

Bildquelle: Flickr/U.S. Army Photo by Lacey Justinger, 7th Army Training Command/CC BY 2.0

3 Comments

  1. Bürgerfreund schreibt:

    Schade, wäre doch endlich mal eine brauchbare Maßnahme gewesen!

  2. Fernglas schreibt:

    Je schneller, desto besser! Vierundsiebzig Jahre Besatzung sind genug…

  3. Bernd Sydow schreibt:

    Es amüsiert mich, daß der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, mit einem Abzug der US-Truppen aus Deutschland „droht“. Ich bin nämlich überzeugt, daß die Mehrheit der Deutschen es begrüßen würde, wenn das US-Militär Deutschland verließe. Zu Zeiten des Kalten Krieges war die US-Präsenz in der BR Deutschland und Westberlin berechtigt, diente sie doch dem Schutz vor einer Invasion der Truppen des sowjetisch dominierten Warschauer Paktes.

    Diese „Bedrohung aus dem Osten“ existiert aber längst nicht mehr! Der einzige Grund, weshalb die US-Truppen immer noch hier sind, ist Deutschlands Mitgliedschaft in der NATO und sind die daraus resultierenden Verpflichtungen. Und wenn Grenell nun die finanziellen Belastungen für die US-Steuerzahler beklagt, die ihnen in Form von Stationierungskosten entstehen, kann ich ihm nur empfehlen, „seine Jungs“ samt Familien alsbald heimzuholen. Ich kenne zudem kein europäisches NATO-Mitglied, welches von der Russischen Föderation militärisch bedroht wird, Nicht-NATO-Mitglieder in Europa übrigens auch nicht – auch nicht das Nicht-NATO-Mitglied Ukraine, obgleich selbiges es nicht unterlassen kann, Putins Rußland ab und an zu provozieren.

    Die wahre Bedrohung für Europa kommt heute aus einer ganz anderen Ecke, nämlich vom islamischen Fundamentalismus (Islamismus) und seinen radikalisierten Anhängern!

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