Sprecher der Deutsch-Iranischen Handelskammer: „USA leben von der Angst vor Sanktionen“

29. April 2019
Sprecher der Deutsch-Iranischen Handelskammer: „USA leben von der Angst vor Sanktionen“
Wirtschaft
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Teheran. Am 2. Mai laufen die Ausnahmeregelungen für den Import iranischen Öls aus. Dann sollen die bisher schärfsten US-Sanktionen gegen den Iran voll wirken. Der Öl-Export, die Haupteinnahmequelle des Iran, war nach Einführung der Sanktionen von 2,5 Millionen Barrel pro Tag auf unter eine Million gefallen. Nun soll der Kauf iranischen Öls nach dem Willen der USA ganz verboten werden. Sollte ein Land dagegen verstoßen, drohen auch ihm Sanktionen. Gegen diese Regelung protestieren Rußland, die Türkei und China.

Bei der Deutsch-Iranischen Handelskammer in Teheran will man diem Auswirkungen der neuen Sanktionen allerdings nicht überschätzen. Sprecher Michael Tockuss glaubt nicht, daß sich der Iran, aber auch seine Geschäftspartner durch Drohungen oder neue Sanktionen in die Knie zwingen läßt.

Die chinesische Regierung etwa schickte offiziell eine Protestnote an die USA. China ist der größte Käufer iranischen Öls. Raffinerien weltweit sind auf „schweres“ iranisches Öl eingestellt. Eine Umstellung auf andere Ölsorten „wäre ein erheblicher technischer und finanzieller Aufwand“, meint Tockuss. „Ich kann mir nicht vorstellen, daß Raffinerien in der Türkei oder in China dazu bereit wären.“

Grundsätzlich meint Tockuss zur amerikanischen Sanktionspolitik: „Die Strategie der USA ist es, immer zu drohen. Sie leben von der Angst, die sie durch die Androhung von Sanktionen verbreiten. Außerhalb des Bankenbereichs werden Sanktionen jedoch meist nicht umgesetzt.“ Er hält es für wenig plausibel, „daß es den USA gelingen wird, alle Staaten weltweit davon abzuhalten, den ja völlig legitimen Handel mit Öl aus dem Iran einzuschränken.“ (mü)

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