US-Renommierzeitschrift „Foreign Affairs“ beschwört die Vergangenheit: „Die Deutsche Frage ist wieder da“

10. April 2019
US-Renommierzeitschrift „Foreign Affairs“ beschwört die Vergangenheit: „Die Deutsche Frage ist wieder da“
International
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New York City. Eine interessante Wortwahl: die renommierte US-Zeitschrift „Foreign Affaris“, das führende amerikanische Außenpolitik-Fachblatt, warnte dieser Tage unverhohlen vor einer Rückkehr der sogenannten „Deutschen Frage“ und spielt in diesem Zusammenhang auf Entwicklungen und Konflikte des 19. und 20. Jahrhunderts an.

Deutschland sei nach der Reichsgründung 1871 eine allzu große, allzu bevölkerungsreiche Macht im Herzen Europas gewesen, argumentiert das Blatt; dies habe die europäische Mächtebalance zerstört und „zwei Weltkriege“ hervorgebracht.

Bemerkenswert ist in diesem Kontext das offene Eingeständnis, die NATO sei nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur wegen der „sowjetischen Herausforderung“ gegründet worden, sondern auch, um das „deutsche Problem“ zu lösen. Es sei vielmehr darum gegangen, die „Sowjetunion draußen, die Amerikaner drinnen und Deutschland unten“ zu halten, schreibt „Foreign Affairs“ wortgleich mit dem ersten NATO-Generalsekretär, dem Briten Lord Ismay, der dem westlichen Militärbündnis seinerzeit exakt diese Aufgabenstellung zugewiesen hatte. Der unter US-Hegemonie ablaufende europäische Integrationsprozeß sei die „einzige überzeugende Lösung des Problems der deutschen Beziehungen zur Europa“ gewesen. Ein sich integrierendes Europa, das Nationalismus ächte, müsse deshalb vor allem ein Europa sein, das speziell den „deutschen Nationalismus“ ächte – gerade dieser habe eine herausragende „destruktive Rolle in Europas blutiger Vergangenheit“ gespielt.

Derzeit ließen die krisenbedingt erodierenden Pfeiler der Nachkriegsordnung sowie der zunehmende Nationalismus die binneneuropäische Konstellation von 1871 wieder auferstehen, heißt es weiter – diesmal allerdings auf einer „geo-ökonomischen“ Ebene. Nach dem Ausbruch der Euro-Krise hätten sich ähnliche Frontverläufe gebildet wie gegen Ende des 19. Jahrhunderts, weil die „ökonomische Dominanz es Deutschland ermöglicht“ habe, seine Austeritätspolitik „dem Rest Europas aufzunötigen“. Dies habe die Stimmung in weiten Teilen der EU gegen die Bundesrepublik aufgebracht. Es habe außerhalb Deutschlands viel „Gerede über eine gemeinsame antideutsche Front“ gegeben, während innerhalb Deutschlands ein „Opfergefühl“ um sich gegriffen habe – die Bundesrepublik habe sich durch „schwache Ökonomien“ umzingelt gesehen.

Zuvor sei die „deutsche Frage“ aufgrund einer vorteilhaften historischen Konstellation – die durch Wohlstand und Freihandel, die US-Hegemonie und die europäische Integration geprägt war – „tief unter der Erde begraben“ gewesen. Diese günstige „Zusammensetzung von Umständen“ sei nun allerdings angesichts von Krise und Nationalismus nicht mehr gegeben, mahnt „Foreign Affairs“. Es stelle sich die Frage, „wie lange die Ruhe noch halten wird, wenn die Vereinigten Staaten und die Welt auf dem gegenwärtigen Kurs verbleiben“. Man könne die EU gegenwärtig als eine nicht detonierte Weltkriegsbombe begreifen, heißt es in dem US-Blatt. In dieser Analogie verhalte sich zwar US-Präsident Trump wie ein „Kind mit dem Hammer“, das munter und unbekümmert auf den Sprengkörper eindresche. Die Bombe selbst sei freilich aus Sicht Washingtons völlig unabhängig von Trump ein Problem. (mü)

4 Comments

  1. Dr. W. Schauerte schreibt:

    Absurder Unsinn. Kenntnislos und dümmliche amerikanische Geschichtsklitterung

  2. Fernglas schreibt:

    Zur Not werden einfach die Artikel 53, 57 und 107 aus der UN-Charta (Feindstaatenklausel) wieder abgestaubt und unsere „transatlantischen Freunde“ können dann nach Herzenslust alles in Deutschland in Schutt und Asche legen, wie sie es schon einmal getan haben. Man wird schon einen Weg finden Deutschland als Aggressor hinzustellen, obwohl es heute nicht mal mehr in der Lage ist, seine eigenen Grenzen zu schützen.

  3. Realist schreibt:

    Austerität lenkt nur davon begrifflich ab, schlicht nicht mehr auszugeben als man hat. Beachtet ein privater oder öffentlicher Haushalt diesen Grundsatz nicht, endet alles in der Schuldenfalle. Daher war es notwendig, den Krisenländern Auflagen zu machen. Auch den USA sollten Auflagen gemacht werden da die Schulden TROTZ guter Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage zunehmen! Die USA steuern auf 20 Billionen Dollar Schulden zu. Dies ist eher mit einer fiskalischen Situation nach einem dritten Weltkrieg zu vergleichen! Also liebes Fachblatt, bitte an die eigene Nase fassen und die wieder einigermaßen geordnete Lage der Krisenländer in Europa hervorgeben und lernen!

  4. Dietrich von Bern schreibt:

    Foreign Affairs ist das Sprachrohr des ‚Council on Foreign Relations‘ ein ähäm…’Think Tank‘ der US-Ostküsten ‚Elite‘.

    Gründer: ‚Colonel’Edward Mandel-House, David Rockefeller, Paul Warburg, Otto Hermann Kahn u.a.
    Präsident des CFR ist seit 2003 Richard Nathan Haass.
    Zum Vorstand gehört auch der Großspekulant und ähäm…’Philanthrop‘, George Soros.
    Noch Fragen?

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