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Publizistische Wiederauferstehung: Blatt des ungarischen Rechtskonservatismus ist wieder da

Budapest. In Ungarn hat die Vergangenheit einen anderen Stellenwert als hierzulande, wo sie in erster Linie zur Herleitung nationalmasochistischer Selbstanklagen mißbraucht wird. Die regierungsnahe ungarische Tageszeitung „Magyar Idök“ hat sich jetzt umbenannt und erscheint seit Mittwoch unter dem Namen „Magyar Nemzet“. Eine Zeitung dieses Namens hatte es im rechts-autoritären ungarischen Staat der Zwischenkriegszeit schon einmal gegeben. „Magyar Nemzet“ war 1938 als Stimme des gemäßigten Konservativismus gegründet worden.

Im Kommunismus war das Blatt wie jedes andere der Zensur unterworfen. Trotzdem konnten dort auch Beiträge erscheinen, die nicht unbedingt auf der Linie der Kommunistischen Partei lagen, sofern sie diese nicht offen in Frage stellten. Nach der demokratischen Wende 1989/90 wurde die Zeitung privatisiert. Unter der ersten Orbán-Regierung (1998-2002) kam sie unter die Kontrolle der Regierungspartei Fidesz.

Nach 2015 erlebte „Magyar Nemzet“ eine Blüte als bürgerlich-konservative und zugleich regierungskritische Zeitung. Doch nach dem erneuten Triumph Orbáns bei den Parlamentswahlen im April 2018 stellte die Verlagsleitung das Blatt ein. Jetzt feiert das Blatt als Regierungssprachrohr seine Wiederauferstehung. (mü)