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Geschichtsstreit in Ungarn: Gutmenschen sind „Groß-Ungarn“-Aufkleber ein Dorn im Auge

Budapest. Auch in Ungarn erregen sich Gutmenschen über die traditionsbewußte Erinnerung an frühere Landesgrenzen. Konkret geht es um das historische „Groß-Ungarn“ vor 1920. Daran erinnern sich auch im heutigen Ungarn Geschichtsbewußte gerne und nicht ohne Stolz – wenn auch nur mithilfe einschlägiger Aufkleber, die die früheren Grenzen zeigen. Linksliberalen ist das ein Dorn im Auge – sie haben jetzt eine konträre Aufkleberaktion unter dem Motto „Get real Hungary“ gestartet und werben dafür um Spenden.

Die Aufkleber mit der heutigen Landesform sollen langfristig „Frieden stiften und die Verständigung zwischen den Nationen in Mittelosteuropa fördern“, erklärte Projektgründer Gabor Cseh. Weitere Betreiber der Kampagne auf der Plattform sind demnach Ungarn, die zum Teil in Österreich, Deutschland und Großbritannien leben. Ab Mai sollen die mit der Kampagne finanzierten Aufkleber ausgeliefert und etwa an Tankstellen zu erwerben sein. Mit diesen Mitteln soll gesichert werden, daß es bis Ende 2019 mehr Aufkleber von „Get Real Hungary“ in Ungarn gibt als solche mit den „Großungarn“-Landesgrenzen, heißt es in der Ankündigung der Kampagne.

Hintergrund ist die Tatsache, daß Ungarn 1920 mit dem Vertrag von Trianon zwei Drittel seines damaligen Territoriums an Österreich, die Tschechoslowakei, Rumänien und das SHS-Königreich (das spätere Jugoslawien) verlor. Grund für die Zerstückelung Ungarns durch die Siegermächte des Ersten Weltkrieges war, daß Ungarn als Teil der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn zu den Verlierern des Weltkrieges gehörte. Während des Zweiten Weltkrieges erlangte Ungarn unter deutscher Schirmherrschaft einen Teil der früheren Landesteile im Norden und Osten durch den Ersten und Zweiten Wiener Schiedsspruch wieder, mußte dann aber im Pariser Friedensvertrag 1947 endgültig die Diktatgrenzen von 1920 anerkennen. (mü)