Geschichtsstreit in Ungarn: Gutmenschen sind „Groß-Ungarn“-Aufkleber ein Dorn im Auge

11. Januar 2019
Geschichtsstreit in Ungarn: Gutmenschen sind „Groß-Ungarn“-Aufkleber ein Dorn im Auge
International
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Budapest. Auch in Ungarn erregen sich Gutmenschen über die traditionsbewußte Erinnerung an frühere Landesgrenzen. Konkret geht es um das historische „Groß-Ungarn“ vor 1920. Daran erinnern sich auch im heutigen Ungarn Geschichtsbewußte gerne und nicht ohne Stolz – wenn auch nur mithilfe einschlägiger Aufkleber, die die früheren Grenzen zeigen. Linksliberalen ist das ein Dorn im Auge – sie haben jetzt eine konträre Aufkleberaktion unter dem Motto „Get real Hungary“ gestartet und werben dafür um Spenden.

Die Aufkleber mit der heutigen Landesform sollen langfristig „Frieden stiften und die Verständigung zwischen den Nationen in Mittelosteuropa fördern“, erklärte Projektgründer Gabor Cseh. Weitere Betreiber der Kampagne auf der Plattform sind demnach Ungarn, die zum Teil in Österreich, Deutschland und Großbritannien leben. Ab Mai sollen die mit der Kampagne finanzierten Aufkleber ausgeliefert und etwa an Tankstellen zu erwerben sein. Mit diesen Mitteln soll gesichert werden, daß es bis Ende 2019 mehr Aufkleber von „Get Real Hungary“ in Ungarn gibt als solche mit den „Großungarn“-Landesgrenzen, heißt es in der Ankündigung der Kampagne.

Hintergrund ist die Tatsache, daß Ungarn 1920 mit dem Vertrag von Trianon zwei Drittel seines damaligen Territoriums an Österreich, die Tschechoslowakei, Rumänien und das SHS-Königreich (das spätere Jugoslawien) verlor. Grund für die Zerstückelung Ungarns durch die Siegermächte des Ersten Weltkrieges war, daß Ungarn als Teil der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn zu den Verlierern des Weltkrieges gehörte. Während des Zweiten Weltkrieges erlangte Ungarn unter deutscher Schirmherrschaft einen Teil der früheren Landesteile im Norden und Osten durch den Ersten und Zweiten Wiener Schiedsspruch wieder, mußte dann aber im Pariser Friedensvertrag 1947 endgültig die Diktatgrenzen von 1920 anerkennen. (mü)

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2 Comments

  1. cui bono? schreibt:

    Ich fand es Schade, dass Ungarn die Freiheiten, die es 1867 erreichte, nicht auch an die Slowakei weiter gab. Im Gegenteil, es folgte strenge Magyarisierung, so dass auch mein Großvater, der kein Wort ungarisch sprach, in der Kirchenmatrik statt Alojz einfach als „Alajos“ eingetragen wurde.

    Aber es ändert nichts an der Tatsache, dass manche Gebiete früher ein Teil des Königreichs Ungarn waren und damit auch gemeinsame Geschichte haben.

    Wenn jetzt die Soros-Anhänger wie Herr Cseh (=Böhm) damit Problem haben, sollten Sie sich einfach informieren und manches im Kontext der (ggf. damaligen) Zeit betrachten.

    Denn ein Hinweis auf die Geschichte eines (jeden) Landes, hindert heute keinen, an guten gegenwärtigen Beziehungen zu Nachbarn zu arbeiten. Aber spinnen muss man deshalb bestimmt nicht.

  2. Kismarton schreibt:

    Vor allem gibt es jenseits der Diktatgrenzen von Trianon noch erhebliche ungarische Mehrheitsgebiete.

    Eine ‚Flurbereinigung‘, wie uns Deutschen in Potsdam 1945 blieb den ethnischen Ungarn zwar weitest gehend erspart. Gleichwohl haben sich in den abgetrennten Gebieten mit ungarischer Mehrheit die ethnischen Verhältnisse teilweise massiv zuungunsten der Ungarn verschoben; vor allem in den größeren Städten (Kolozsvár / Klausenburg, Arad, Kassa / Kaschau, Nagyvárad / Großwardein, Szabadka / Maria-Theresianopel usw.) sowie den Gemeinden entlang der (ehemaligen) Sprachgrenzen.

    Die Grenzen von Ungarn sind nach wie vor ethnisch ungerecht und entsprechen nicht dem Selbstbestimmungsrecht der Völker.

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