Noch mehr Spannungen zwischen Belgrad und Pristina: Kosovo erhöht Zoll auf Serbien-Importe um 100 Prozent

24. November 2018
Noch mehr Spannungen zwischen Belgrad und Pristina: Kosovo erhöht Zoll auf Serbien-Importe um 100 Prozent
International
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Belgrad/Pristina. Zwischen Serbien und dem Kosovo eskalieren die Spannungen. Jetzt versucht die Kosovo-Regierung mit drakonischen Mitteln, Belgrad zur Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo zu drängen: Waren aus beiden Ländern sollen künftig mit einem Aufschlag 100 Prozent eingeführt werden. Solange Serbien das Kosovo nicht anerkannt habe, sollen die Zölle bleiben, erläuterte Ministerpräsident Haradinaj Medien gegenüber.

Aktueller Grund für die Eskalation dürfte die Ablehnung des Kosovo als Mitgliedstaat bei der internationalen Polizeibehörde Interpol sein. Bei dem Votum am Dienstag hatte Pristina nicht die erforderlichen Stimmen erhalten. Die kosovarische Regierung wirft Belgrad nun vor, die Bewerbung gezielt torpediert zu haben.

Vizeregierungschef Enver Hoxhaj sprach von einer „aggressiven Kampagne gegen Kosovo“. Hinzu kommen die jüngsten Streitigkeiten über die Aufstellung einer kosovarischen Armee, die gescheiterten Verhandlungen über einen Gebietstausch zwischen Serbien und Kosovo und die serbische Ablehnung einer Visafreiheit für Kosovaren.

Zuvor waren Handelsgüter aus Serbien und Bosnien de facto zollfrei. Beobachter sprechen von einer „unvernünftigen Frustreaktion“ der kosovarischen Seite. Auch der serbische Präsident Vucic warnte nach einem Treffen des Nationalen Sicherheitsrats vor „unabsehbaren Folgen“ – „nicht nur für Serbien, sondern für die ganze Region. Vucic unterstrich, der Dialog mit dem Kosovo werde erst dann wiederaufgenommen, wenn die Zölle zurückgenommen würden.

Das Kosovo hatte 2008 einseitig seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt. Mehr als 110 Staaten haben die Unabhängigkeit inzwischen anerkannt. Serbien betrachtet das mehrheitlich von Albanern bewohnte Kosovo dagegen nach wie vor als seine Provinz. (mü)

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