Altmaier weckt Erinnerungen an die Bagdadbahn: Berlin will das türkische Eisenbahnnetz modernisieren

28. Oktober 2018
Altmaier weckt Erinnerungen an die Bagdadbahn: Berlin will das türkische Eisenbahnnetz modernisieren
Wirtschaft
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Berlin/Ankara. Im Rahmen eines Türkei-Besuches haben Bundeswirtschaftsminister Altmaier (CDU) und seine türkischen Gesprächspartner ein gemeinsames Investitionsprojekt von erheblichem Volumen vereinbart. Im Mittelpunkt steht dabei die umfassende Modernisierung des türkischen Eisenbahnnetzes, die mit 35 Milliarden Euro zu Buche schlagen soll. Wichtigster deutscher Partner ist der Siemens-Konzern.

Der Vereinbarung gingen mehrmonatige Verhandlungen voraus. Zunächst hatte China – im Rahmen seiner „Neuen Seidenstraße“ – Interesse an einer Modernisierung des türkischen Streckennetzes bekundet. Doch die Chinesen wollten auch ein Gutteil der Technologie und des rollenden Materials liefern, und in Ankara wurden Befürchtungen laut, die Türkei könne in allzu große Abhängigkeit von Peking geraten. So suchte die türkische Regierung – trotz angespannter Beziehungen zu Berlin – das Gespräch mit der Bundesregierung.

Tatsächlich ist der Zustand des türkischen Eisenbahnnetzes weithin marode und modernisierungsbedürftig. Seit den fünfziger Jahren wurde das Bahnnetz nicht mehr modernisiert. Es gibt zwar eine gut 500 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Ankara und Istanbul, die ebenfalls gemeinsam mit Siemens gebaut wurde.

Viele andere Strecken sind jedoch veraltet und stammen noch aus dem Bestand der früheren Bagdadbahn (die vor dem Ersten Weltkrieg ebenfalls maßgeblich von Siemens gebaut wurde). Weniger als 40 Prozent der Linien sind mit modernen Signalanlagen ausgestattet, und gerade einmal 30 Prozent sind überhaupt elektrifiziert. 2016 trat die türkische Ingenieurs- und Architektenkammer zudem mit der Feststellung hervor, daß ein glattes Fünftel der Eisenbahnstrecken außer Dienst ist, weil es am Personal fehlt.

Beobachter sehen nun Reminiszenzen an die historische Bagdadbahn, die bis heute als ambitioniertes geostrategisches Vorhaben des Deutschen Reiches im Nahen und Mittleren Osten in Erinnerung ist. Tatsächlich geht es Berlin vorrangig darum, der ökonomisch angeschlagenen Türkei unter die Arme zu greifen und ein völliges Abdriften Ankaras in Richtung Moskau zu verhindern. Auch die Aussicht, die Chinesen in einer sensiblen Brückenregion des eurasischen Großkontinents auszubremsen und eigene Akzente zu setzen, spielt für Berlin eine Rolle.

Ungewohnt weitblickend äußerte sich auch Bundeswirtschaftsminister Altmaier (CDU) dem „Spiegel“ gegenüber: „Das Land [die Türkei] war ein zuverlässiger Wachstumsmarkt über die letzten Jahre. Und wir haben ein Interesse daran, dass das so bleibt und an der Südostflanke Europas keine neuen Unsicherheiten oder Instabilität entstehen.“ (se)

Bildquelle: Wikipedia/Sese_Ingolstadt, Rechte: CC BY-SA 3.0

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2 Comments

  1. Zack schreibt:

    Da wird die „Dankbarkeit“ wie gewohnt mächtig zuschlagen.

  2. cui bono? schreibt:

    Da ist wohl die Bagdad-Bahn – nach 100 Jahren nichts tun – reparaturbedürftig…

    Wo Siemens seine Geschäfte macht ist mir egal – solange ich das als Steuerzahler nicht mitzahlen muss. Da soll Siemens für sein Projekt / Forderungsausfall eine Kreditversicherung abschließen.

    Weiter soll Siemens nur seine türkischen Mitarbeiter auf die Baustellen aussenden.
    Alle anderen Monteure wären in Gefahr – siehe diverse Processe aufgrund von in Europa üblichen, dort aber „falschem“ Verhalten (wie Meinung sagen/schreiben, Sexualverhalten) oder erfundenem Terotistenverdacht; weiter auch Diebstahl- und Gewaltdelikte gegenüber Deutschen (übliche Meinung: die sind ja „reich“, von den darf man nehmen).

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