AfD-Bundestagsabgeordneter Stephan Protschka im ZUERST!-Interview über namibische Forderungen an die Bundesregierung: „Die werden schon einknicken“

1. Juni 2018
AfD-Bundestagsabgeordneter Stephan Protschka im ZUERST!-Interview über namibische Forderungen an die Bundesregierung: „Die werden schon einknicken“
International
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Der AfD-Bundestagsabgeordnete Stephan Protschka verfolgt aufmerksam die Gespräche zwischen der Bundesregierung und der Regierung Namibias über den Herero-Aufstand. Im Gespräch mit ZUERST!  schildert er seine Eindrücke.

Herr Protschka, wie kommt die Regie­rung Namibias zu derart hohen Forderungen gegen Deutschland?

Protschka: Es geht dabei offiziell um die Aufarbeitung des sogenannten He­rero-Aufstandes von 1904 bis 1908. Die Regierung in Windhuk ist der Mei­nung, daß für die Schäden an dem Volk der Herero – das den Krieg übrigens begonnen hat – Entschädigungszah­lungen fällig sind. Dabei haben wir seit 1990 870 Millionen Euro an Entwick­lungshilfe an Namibia gezahlt. Das sind etwa 435 Euro pro Einwohner. Diese enorme Summe ist aber in den Taschen irgendwelcher linksradikaler SWAPO-Seilschaften versickert, und jetzt sucht man halt nach neuen Einnahmequel­len.

Der CDUPolitiker Ruprecht Polenz ist der offizielle deutsche Verhandlungs­führer bei den Gesprächen – eine gute Wahl?

Protschka: Ruprecht Polenz ist für nichts eine gute Wahl. Schon gar nicht für Verhandlungen, in denen sowohl Rückgrat als auch Fingerspitzengefühl nötig ist.

Heute spricht man auch in Berlin offiziell von einem „Völkermord an den Herero“. Wie stehen Sie dazu?

Protschka: Das ist eigentlich eine Frage, die Historiker entscheiden müssen – nicht die Bundesregierung. Die Debatte dreht sich am Ende um den Zug der Herero in das Sandfeld der Omaheke-Wüste. Die Herero hatten sich zuvor am Hochplateau des Waterberges versam­melt. Im Rahmen der Schlacht am Wa­terberg gelang ihnen der Ausbruch in die erwähnte Omaheke-Wüste. Das Ge­schehen fiel in die Trockenzeit, und so verdursteten viele tausend Herero auf ihrer Flucht in die britische Kolonie Betschuanaland. Ein tragisches Ende des Aufstandes. Aber meiner Meinung nach fehlt das klassische Element der planmäßig herbeigeführten, vollständi­gen Vernichtung eines Volkes.

Welche Auswirkungen haben die Ver­handlungen auf die deutsche Minder­heit in Namibia?

Protschka: Bekannte vor Ort berichten von einer feindlichen Grundstimmung, die Jahre vorher nicht vorhanden war. Das ist aus mehreren Gründen bedenk­lich. Zum einen wird diese Streitigkeit von der Regierung zu einer Konfrontation der Schwarzen gegen die Weißen aufgebauscht. Dabei sind die Herero seinerzeit mit ihren schwarzen Nach­barn häufig schlimmer umgesprungen, als die deutsche Kolonialmacht mit ihnen. Zum anderen sind die deutsch­stämmigen Farmer immer noch der Eckstein der namibischen Landwirt­schaft. Unsere Landsleute vor Ort fürchten jetzt eine Enteignung der Far­men und eine sprunghafte Zunahme der Gewalt. Ähnlich, wie wir das ja be­reits in Simbabwe (Rhodesien) gesehen haben und in Südafrika im Moment erleben.

Ist auch in Namibia künftig mit Enteig­nungen von Farmen zu rechnen, die von Weißen betrieben werden – wie bei­spielsweise in Südafrika oder Simbab­we, dem früheren Südrhodesien?

Protschka: Ich fürchte, daß wir genau dieser Möglichkeit ins Auge sehen müs­sen. Die Debatte um den angeblichen Völkermord ist hier nichts anderes als ein politisches Spiel der Regierung, um eine deutschenfeindliche Stimmung zu erzeugen.

Schützt die Bundesregierung Ihrer An­sicht nach die Interessen der deutschen Minderheit in Namibia ausreichend?

Protschka: Nein, überhaupt nicht. Das fängt bei der fehlenden Unterstützung der deutschen Schulen an und hört bei geschichtsvergessenen Kommentaren der Bundesregierung zum Herero-Auf­stand auf. Anstatt irgendwelche Schuld­kult-Debatten zu führen, sollte die Bun­desregierung wieder mit harten Banda­gen um Sicherheitsgarantien für unsere Landsleute kämpfen und vor allem auch die Interessen unserer Wirtschaft vor Ort vertreten. Das Land ist immer noch reich an Rohstoffen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe nichts gegen eine finan­zielle Förderung der Regierung vor Ort, aber dann wollen wir auch etwas dafür. Es kann nicht sein, daß Deutschland 870 Millionen Euro an Entwicklungshilfe in das Land pumpt und dann die namibische Regierung sagt: „Danke für das Geld, aber wir lassen uns trotzdem die Infrastruktur von den Chinesen bauen, geben denen dafür Abbaulizen­zen, und eure Landsleute vertreiben wir auch noch.“

Was für ein Verhandlungsergebnis er­warten Sie am Ende? Wird Deutschland einer finanziellen „Entschädigung“ zu­stimmen?

Protschka: Ich fürchte, ja. Die Bundes­regierung versteht überhaupt nicht, wel­ches Spiel da gespielt wird. Jedes bedin­gungslose Entgegenkommen der Bun­desrepublik wird dort unten als Schwä­che gewertet. Auch und besonders als Schwäche der Deutschen. Darunter leiden unsere Landsleute sofort. In Windhuk ist man der Meinung, wenn man den Deutschen nur lange genug mit den Worten „Schuld“ und „Völkermord“ kommt, werden sie schon einknicken und nicht nur der Vertreibung der deut­schen Farmer zusehen, sondern oben­drein auch noch Zahlungen in Millio­nenhöhe zustimmen.

Herr Protschka, vielen Dank für das Gespräch.

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Stephan Protschka, geboren 1977 in Dingolfing in Bayern, ist Abgeordneter der AfD im Deutschen Bundestag. Protschka war von 1993 bis 2010 Mitglied der Jungen Union Bayerns. 2013 trat er in die AfD ein. Nach der Bundestagswahl 2017 zog er über die Landesliste der AfD Bayern in den Deutschen Bundestag ein. Er ist Ordentliches Mitglied im Bundestags­ausschuß für Ernährung und Landwirt­schaft. Seit Dezember 2017 ist er einer von sechs Beisitzern im AfD-Bundes­vorstand.

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5 Comments

  1. Lack schreibt:

    Das Schuldkult-Prinzip funktioniert doch bestens in der Welt und wenn eine deutsche Regierung dem noch bereitwillig entgegenkommt werden bald auch die Eskimos ihre Forderungen geltend machen. Es bedienen sich eben alle, solange Deutschland noch zahlen kann …

  2. Südwester schreibt:

    Ich denke, die Argumentation einiger Herero-Führer ist ganz einfach: Deutschland hat Geld, also kann es zahlen. Die von Herero-Seite genannten Opferzahlen sollte man eher als „symbolisch“ betrachten. Fragt man heute irgendeinen Herero, wieviele Herero heute in Namibia leben, wird man ebenfalls völlig überzogene Fantasiezahlen erhalten.

    Die wenigsten Herero hatten um 1900 eine Schulbildung und konnten zählen und rechnen, Aufzeichnungen von ihrer Seite über Tote oder Verwundete scheint es keine zu geben. Dagegen ist genau bekannt, wieviele deutsche Siedler und wieviele Schutztruppler damals ihr Leben lassen mussten.

    Dass die Herero das Land besser kannten als deutsche Schutztruppler, sollte jedem einleuchten. Wer einen Aufstand mit der Ermordung von Frauen und Kindern und Plünderungen beginnt und in eine wasserlose Wüste flüchtet, noch dazu mit tausenden Rindern, hätte sich eigentlich ausrechnen können, wie das ausgehen kann.

    Leider wird die ganze Sache von interessierter linker Seite in Deutschland angeheizt, und „Schuldbekenntnisse“ von Linken, Grünen und SPD-Politikern, sowie Kirchenvertretern, lassen manch Unbeteiligten jetzt denken, dass die Deutschen doch das getan haben, was ihnen vorgeworfen wird.

    Vielleicht sollte man auch einmal erwähnen, dass in Deutschland mittlerweile 700.000 Menschen afrikanischer Herkunft leben. Das ist weit mehr als die 20.000 Menschen deutscher Herkunft in Namibia. Auf die von Deutschen gebaute Infrastruktur im heutigen Namibia will sicherlich keiner mehr verzichten. Wem also nützt ein Konflikt? Irgendwelchen Politikern, die ihr trübes Süppchen kochen, und schnell reich werden wollen (Herero) bzw. einem krankhaften, ideologischen Selbsthass verfallen sind (deutsche Linke/SPD/Grüne).

    Und dann, wann entschuldigen sich die Herero eigentlich für die Ermordung deutscher Zivilisten?

  3. Jürgen Kornelson schreibt:

    Bitte mal um Klarstellung durch die Redaktion
    Es wird von offizieller Stelle immer wieder behauptet, dass das Deutsche Reich Kolonialmacht in Afrika vor dem Ersten Weltkrieg war. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass das Deutsche Reich keine Kolonien besaß (abgesehen von Sansibar, das für Helgoland eingetauscht wurde). Alle Kolonialisten waren entweder Adlige oder Reiche Deutsche die auf eigene Rechnung und Faust, sich in einigen Afrikanischen Regionen niederließen. Die Länder und ihre Grenzen wurden ja hauptsächlich von den tatsächlichen Kolonialmächten England und Frankreich bestimmt. Die deutschen „Kolonialherren“ hielten sich natürlich auch Privatarmeen, das war aber in erster Linie deshalb notwendig, weil ja bekannt war, was die Britten mit den Buren in Südafrika gemacht hatten.

    • Ali Baba schreibt:

      Aber andere Kolonialmaechte hatten Angst, dass Deutschland eines Tages das Interesse fuer andere Kontinente erweisen wird. Wenn“s um Bismarck geht, der hat sein Interesse eher nach Osten gerichtet.

  4. jacky schreibt:

    Jan von Flocken: Der Hereroaufstand 1904: Völkermord oder Kriegspropaganda?
    https://www.youtube.com/watch?v=gWn_g1aBsAU

    Es gibt immer eine Seite und eine andere. Was wissen wir schon?

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