Koordinierte Eskalation: Israel und USA präsentieren angebliche Atomwaffenpläne des Iran

3. Mai 2018
Koordinierte Eskalation: Israel und USA präsentieren angebliche Atomwaffenpläne des Iran
International
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Tel Aviv. Die „Massenvernichtungswaffen“-Mär, die in den letzten Jahrzehnten immer wieder als Kriegsgrund herhalten mußte, feiert fröhliche Urständ. Jetzt wird sie von Israel aus dem Zylinder gezaubert, das sich jüngst in besonderer Weise um eine Eskalation im Nahen Osten bemüht.

Nach Aussage von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu will Israel „neue und schlüssige Beweise” dafür haben, daß der Iran ein geheimes Atomwaffenprogramm verfolgt. Der Iran habe seine nuklearen Ambitionen nie aufgegeben und verstoße damit gegen das internationale Atomabkommen, erklärte Netanyahu jetzt. Er bezichtigte die Führung in Teheran der „dreisten Lüge” über ihre wahren Absichten.

Die Informationen stammen nach Netanyahus Angaben aus einem „geheimen Atomarchiv” des Iran. Israels Geheimdienste hätten vor wenigen Wochen zehntausende Dokumente aus diesem Archiv erhalten. Das 2015 in Wien geschlossene internationale Atomabkommen nannte er einen „schrecklichen Deal”, der nie hätte unterzeichnet werden sollen. „Das Atomabkommen basiert auf Lügen”, sagte er weiter. Das geheime Material, das der Iran nach der Unterzeichnung des Atomabkommens versteckt habe, könne zum Bau von „fünf Hiroshima-Bomben” dienen, sagte Netanyahu.

Bei den neuen Erkenntnissen handle sich um einen „großartigen Erfolg” der israelischen Geheimdienste. Die Unterlagen belegen nach Angaben Netanyahus, daß der Iran entgegen den Beteuerungen seiner Führung konkret am Bau einer Atombombe gearbeitet habe und weiter danach strebe, die Reichweite seiner atomwaffenfähigen Raketen auszuweiten. Diese Unterlagen über die Entwicklung seines Atomprogramms habe der Iran in einem „geheimen Atomarchiv vor der internationalen Gemeinschaft versteckt” und bewahre sie dort seit Jahren auf. Israel verfüge über „exakte Kopien” der Unterlagen und werde diese mit anderen Staaten und der Internationalen Atomenergiekommission (IAEO bzw. IAEA) teilen. Die Informationen seien schon an die USA weitergegeben worden, die die Echtheit bestätigen könnten.

Auch US-Präsident Donald Trump sieht sich durch die israelischen Vorwürfe gegen den Iran in seiner harten Haltung gegen Teheran bestätigt und kritisierte das Atomabkommen erneut. Die Präsentation des israelischen Ministerpräsidenten Netanyahu zeige, daß er mit seiner Meinung über den Iran zu „hundert Prozent” Recht gehabt habe, sagte Trump.

Die Regierung in Teheran wies die Anschuldigungen unverzüglich zurück. Bei der Präsentation Netanyahus handle es sich um aufgewärmte, alte Anschuldigungen, mit denen sich die Atomenergiebehörde IAEO (IAEA) bereits auseinandergesetzt habe, schrieb Außenminister Mohamed Javad Zarif am Montag auf Twitter. Er kritisierte auch US-Präsident Trump dafür, daß er sich Netanyahus Anschuldigungen zueigen mache. Die „ungestüme” Reaktion Trumps belege eine koordinierte Zeitplanung für die angebliche Enthüllung. (mü)

 

Bildquelle: wikimedia/Zachi Evenor

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