Südtiroler wollen Doppelstaatsbürgerschaft: Tiroler Landeshauptmann kritisiert „historische Unrechtsgrenze“

27. November 2017
Südtiroler wollen Doppelstaatsbürgerschaft: Tiroler Landeshauptmann kritisiert „historische Unrechtsgrenze“
National
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Bozen/Innsbruck. Nachdem 19 von 35 Südtiroler Landtagsabgeordneten in einem Schreiben an die derzeitigen österreichischen Koalitionsverhandler den Wunsch nach einer Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler formuliert hatten, erhalten sie jetzt Unterstützung vom Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP). Dieser Wunsch werde „vom Land Tirol und mir unterstützt”, erklärte Platter gegenüber der Nachrichtenagentur APA.

Der Wunsch werde aufrecht bleiben, solange es keinen „europäischen Paß” gebe, sagte Platter. Er habe „Verständnis” für die Landtagsabgeordneten. Und: „Ich verstehe den Wunsch der österreichischen Minderheit in Italien, die Möglichkeit für eine Doppelstaatsbürgerschaft zu schaffen. Wie immer bin ich in engster Abstimmung mit dem Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher, der zurecht auf die emotionale Verbundenheit der österreichischen Minderheit mit dem Mutterland Österreich hinweist”, fügte der Landeschef hinzu.

Platter wurde noch deutlicher und erklärte: „Die Grenze zwischen Nord- und Südtirol ist und bleibt eine historische Unrechtsgrenze. Südtirol ist für die Tiroler Landesregierung ein Herzensanliegen. Wenn wir diese Tage den 250. Geburtstag von Andreas Hofer feiern, wird uns die enge Verbundenheit der beiden Landesteile wieder besonders bewußt.“

Kompatscher hatte zuletzt im „Ö1-Mittagsjournal” seine Unterstützung für die Initiative der Abgeordneten bekundet. Die doppelte Staatsbürgerschaft hätte einen „sehr hohen emotionalen Wert” für die Südtiroler, so der Landeshauptmann.

Große Hoffnung auf die österreichischen Koalitionsverhandlungen setzt unterdessen der auch der Alt-Landeshauptmann Wendelin Weingartner (ÖVP). „Ich hoffe, daß es in der Frage der doppelten Staatsbürgerschaft zu einer Lösung kommt. Da muß es vielleicht auch eine Zwischenlösung geben. Vielleicht muß man einen besonderen Weg finden, weil mit der doppelten Staatsbürgerschaft natürlich Rechte verbunden sind, ohne daß Pflichten verbunden sind”, sagte Weingartner in einem Interview mit der Internet-Plattform „unsertirol24.com”. Die doppelte Staatsbürgerschaft sei eine Anbindung von Südtirol an Österreich. Nachdem Italien seinen Bürgern in anderen Staaten auch diese doppelte Staatsbürgerschaft gebe, könne es nicht sein, daß Italien bei den Südtirolern etwas dagegen habe. (mü)

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Ein Kommentar

  1. Fackelträger schreibt:

    Komisch, dass die Politik sich auf einmal für die Doppelstaatsbürgerschaft der Deutsch-Südtiroler interessiert – just in dem Augenblick, wo es darum geht, Türken mit illegaler Doppelstaatsbürgerschaft zu enttarnen. Wenn man dann daran denkt, wie unsere deutschen Heimatvertriebenen neuerdings in denselben Topf geworfen werden mit Syrern, Afghanen, Nigerianern usw., die hier mit topmodisch und Smartphone und Forderungen anrauschen… dann kann man sich ausmalen, was der wahre Hintergrund für die plötzlich entdeckte Liebe zu einer Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler ist.

    Auf einmal werden die Deutschsüdtiroler obendrein als „österreichisch“ bezeichnet, was sie nicht einmal sind. Denn „österreichisch“ waren die Welschtiroler, Galizier, Slowenen usw. ebenso. Was sie voneinander unterscheidet, ist eben das DEUTSCHSEIN der Südtiroler, dessen Erwähnung offenbar peinlich vermieden wird.

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