„Eine Willkommenskultur herbeisehnen, aber in Promi­nenten-Ghettos wohnen“

7. November 2017
„Eine Willkommenskultur herbeisehnen, aber in Promi­nenten-Ghettos wohnen“
Olaf Haselhorst
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Was Politiker von den Früchten ihrer eigenen Arbeit halten, stellt letzterer nicht selten ein schlechtes Zeugnis aus. So wurde dieser Tage bekannt, daß Manuela Schwesig (SPD), vor­malige Bundesfamilienministerin und inzwischen Ministerpräsi­dentin von Mecklenburg-Vorpommern, ihren Sohn nicht auf eine staatliche, sondern eine private Schule schickt.

Damit steht sie nicht allein. Viele andere – übrigens nicht nur aus ihrer Partei – haben es ihr vorgemacht: Sie haben ihre Kinder nicht auf eine Schule des von ihnen politisch propagierten und zu verantworten­den Schulsystems gegeben – also nicht in eine Einheitsschule, sondern aufs Gymnasium, nicht in eine staatliche Schule, son­dern in eine private, zum Beispiel eine Waldorfschule. Hannelore Kraft, von 2010 bis 2017 SPD-Ministerpräsidentin in Nordrhein-Westfalen, hat es getan. Zwar hat sie nichts unversucht gelas­sen, zusammen mit den Grünen das dreigliedrige Schulwesen zu rasieren und dem angeblich ach so elitären Gymnasium den Gar­aus zu machen. Ihren Sohn hat sie gleichwohl auf ein Gymnasium geschickt. Ebenso hielt es ihr Vorgänger im Amt, der späte­re Bundespräsident Johannes Rau, der seine Kinder nicht einer von seiner SPD aggressiv favorisierten Gesamtschule überlas­sen, sondern einem Gymnasium anvertraut hat. Andrea Ypsilanti, SPD-Spitzenkandidatin zur Hessenwahl von 2008, hat es gegen die Grundsätze ihrer Partei ebenfalls vorgezogen, ihr Kind auf eine private Schule zu schicken. Vielleicht wollte sie ihrem Kind eine Schule ersparen, wie sie sie nach einem möglichen Wahl­sieg angestrebt hätte.

Ja, so ist es mit so manchen „unserer“ Po­litiker: Wasser predigen und Wein trinken. Mal so für sich, mal anders für die Masse denken. Mit gespaltener Zunge reden. Eine Willkommenskultur herbeisehnen, aber in gutbewachten Promi­nenten-Ghettos wohnen. Von Willkommensklassen schwärmen, aber die Kinder auf Schulen mit geringsten Migrantenanteilen entsenden. Für sich selbst und die eigenen Kinder nur das Beste und für die Massen den Rest.

Olaf Haselhorst ist Chefredakteur der gesamtdeutschen Monatszeitschrift „Der Schlesier“.

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Ein Kommentar

  1. W. H. Greiner schreibt:

    Das war wohl schon immer so: schon vor 45 Jahren ging mir ein bei der SPD aktiver Studienkollege auf den Wecker, indem er für „das Volk“ vehement den Umstieg vom Auto auf öffentliche Massenverkehrsmittel propagierte, „notfalls auch mit Druck“. Sprach’s – und stieg für den Heimweg in seinen vom wohlhabenden Papa finanzierten 200er Mercedes.

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