Putin eröffnet Mahnmal für Stalin-Opfer: „Schlußstrich unter die dramatischen Ereignisse“

1. November 2017
Putin eröffnet Mahnmal für Stalin-Opfer: „Schlußstrich unter die dramatischen Ereignisse“
International
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Moskau. Rußland hat sich eine bemerkenswerte geschichtspolitische Weichenstellung verordnet: nach Jahren politischer Debatten über die Opfer der Stalin-Ära wurde jetzt in Moskau ein Mahnmal zu ihren Ehren eingeweiht: Kremlchef Putin weihte am Montag die „Mauer der Trauer” ein, ein Werk des Bildhauers Georgi Franguljan. Er hoffe, daß dieses Datum dazu genutzt werde, „einen Schlußstrich unter die dramatischen Ereignisse zu ziehen, die unser Land und unser Volk gespalten haben”, so Putin. Die Einweihung sei „in jenem Moment besonders wichtig, in dem wir uns an den hundertsten Geburtstag der (Oktober-)Revolution erinnern”, sagte Putin.

Die Errichtung der „Mauer der Trauer” wurde unter anderem von der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial und der Solschenizyn-Stiftung mitgetragen. Der Schriftsteller Alexander Solschenizyn hatte mit seinem Werk „Archipel Gulag” wesentlich dazu beigetragen, daß die Verbrechen unter Stalin weltweit bekannt und aufgearbeitet wurden.

Der Umgang der Putin-Regierung mit der Stalin-Zeit sorgt immer wieder für Debatten. Seit Putins erstem Amtsantritt als Präsident im Jahr 2000 wird Stalin in der Öffentlichkeit zunehmend positiv erwähnt. Im September wurde vor einem militärgeschichtlichen Museum in Moskau eine Stalin-Büste errichtet. (mü)

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2 Comments

  1. Bernd Sydow schreibt:

    Es ist längst überfällig, daß Putin den Fokus auf die Stalin-Ära lenkt. Stalin steht für einen Staatsterror unvorstellbaren Ausmaßes, der viele Millionen Opfer gekostet hat. Aber bereits unter Lenin, dem Gründer der Sowjetunion, existierten erste Lager des Archipel Gulag, in die Andersdenkende („Konterrevolutionäre“), Kulaken (Großbauern) und resistente Bürger eingeliefert wurden und dort zu Tode kamen. Und daß die Oktoberrevolution eine russische war, wie viele studierte Historiker noch immer glauben, ist schlichtweg falsch – sie war eine bolschewistische! In Wahrheit war die links-bürgerliche Februarrevolution der Menschewiken die russische Revolution. Sie führte zwar zum Sturz (Thronverzicht) des Zaren, scheiterte aber letztlich daran, daß sie den Krieg gegen Deutschland und Österreich-Ungarn – im Gegensatz zu den Bolschewiken – nicht beenden wollte.

    Viele Russen von heute verzeihen Stalin, daß er ein grausamer Herrscher und Massenmörder war (zuvörderst Schreibtischtäter, hat aber auch selbst getötet). Denn ohne Stalins rücksichtslos vorangetriebene Industrialisierung seines bildungslosen Bauernvolkes hätte die Sowjetunion gegen das technisch weit überlegene Großdeutschland im Krieg wahrscheinlich keine Chance gehabt.

    In gegenwärtiger Zeit ist Putin, der Charakter und Mentalität des russischen Volkes kennt, für den Westen quasi ein autokratischer Prügelknabe, nur weil er nicht bereit ist, für sein Land die „westlichen Werte“ zu übernehmen. Aber das ist ein anderes Kapitel.

    • Fackelträger schreibt:

      Der gute „Uncle Joe“ hätte sich (nach dem Überfall auf Finnland, Estland, Lettland, Rumänien) niemals erfolgreich mit Deutschland anlegen können, wenn er nicht dazu von den USA Tausende Panzer, Flugzeuge, Lastkraftwagen erhalten hätte, sodass er sein Menschenmaterial nur darin einschweißen und in Marsch setzen musste. Unsere kämpfenden Großväter fanden auf dem Vormarsch in Russland außerdem tonnenweise leergegessene US-amerikanische Konservenbüchsen. Alles „uneigennützig“ bezahlt von der US-Hochfinanz.

      Trotzdem kann man Putin verstehen, dass er teilweise den Stalin-Kult zum Zusammenhalt seiner Bevölkerung benutzt. Das war nicht von Anfang an so. Immerhin hat er seit seinem Amtsantritt vor allem das Einvernehmen mit Deutschland gesucht, worin auch eine Neubetrachtung der Geschichte eingeschlossen war. Man denke an seinen Auftritt im Reichstag, wo er DEUTSCH sprach. Das hat ihm in der Heimat auch Kritik eingebracht! Der eigentliche Wahnsinn ist, dass Putin von der Bundesregierung jedes Mal vor den Kopf gestoßen wurde und eine eiskalte Abfuhr erhalten hat! Meiner Meinung nach der erste epochale Fehler der Merkelregierung (auf den dann bekanntlich die anderen folgten)!

      Als Putin bemerkt hatte, dass mit den Deutschen (die er wohl am meisten als Bundesgenossen geschätzt hätte) absolut nichts anzufangen ist, weil sie bedingungslos an ihrer kinderlosen „Mutti“ sowie der Westbindung, der kulturellen Fäulnis, der Ablehnung der Selbsterhaltung und vor allem der Sieger-Geschichtsinterpretation hängen, hat er sich vermutlich angewidert abgewandt.

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