Warschau ist verstimmt: Französisches Gericht will Papst-Denkmal ohne Kreuz sehen

30. Oktober 2017
Warschau ist verstimmt: Französisches Gericht will Papst-Denkmal ohne Kreuz sehen
International
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Paris/Warschau. Zwischen Frankreich und Polen gibt es Irritationen. Das oberste französische Verwaltungsgericht hatte am Mittwoch in Paris entschieden, daß ein mehr als ein Meter großes Kreuz binnen sechs Monaten von einem Bogen über der Papststatue in Ploermel in Nordwestfrankreich entfernt werden müsse. Das Kreuz verstoße gegen das Gesetz zur Trennung von Staat und Kirche. Religiöse Symbole seien an öffentlichen Orten verboten. Gegen das Denkmal hatte der Freidenker-Verband geklagt. Der Fall erregte sowohl in Frankreich als auch in Polen viel Aufsehen.

Jetzt will die polnische Regierungschefin Beata Szydlo das Denkmal ihres Landsmanns vor „der Zensur retten“ und nach Polen holen. Der polnischen Nachrichtenagentur PAP sagte sie außerdem: „Das Diktat der politischen Korrektheit – der staatlichen Laizität – schafft Platz für Werte, die für unsere Kultur fremd sind und zu einer Terrorisierung des täglichen Lebens der Europäer führen.“ Und weiter: „Unser großer Pole und großer Europäer ist ein Symbol des Christentums und des vereinten Europas.“

Das insgesamt 7,50 Meter hohe Denkmal wurde 2006 auf einem Platz der 10.000-Einwohner-Gemeinde Ploermel errichtet. Der Moskauer Bildhauer Surab Zereteli, Präsident der Russischen Akademie der Künste, schenkte es dem Ort, nachdem Johannes Paul II. im Jahr 1996 den benachbarten Wallfahrtsort Sainte-Anne-d’Auray besucht hatte. Ein Gericht hatte 2015 zunächst entschieden, daß das Denkmal ganz entfernt werden müsse. Ein Berufungsgericht hob das Urteil auf. Die obersten Verwaltungsrichter beanstandeten schließlich nur das Kreuz.

Der Bürgermeister von Ploermel, Patrick Le Diffon, erwägt laut französischen Presseberichten, gegen die höchstrichterliche Anordnung vor den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof zu ziehen. „Das Denkmal ist seit zwölf Jahren Teil des Gemeindebilds und stört die Bewohner nicht“, so Le Diffon. Es sei vielmehr ein „touristischer Trumpf” für die Gemeinde. (mü)

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