Israelitische Kultusgemeinde: „Deutschnationale haben in der Regierung nichts zu suchen“

25. Oktober 2017
Israelitische Kultusgemeinde: „Deutschnationale haben in der Regierung nichts zu suchen“
National
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Wien. In Österreich sorgen dralle Einmischungsversuche in die Regierungsbildung für Gesprächsstoff: der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, warnt in einem Offenen Brief an ÖVP und SPÖ ausdrücklich vor einer Regierungsbeteiligung der FPÖ.

Wörtlich doziert Deutsch in seinem auf Facebook veröffentlichten Mahnschreiben: „Deutschnationale haben in der Regierung nichts verloren.“ Er appelliert an die Verantwortung der Schwarzen und Roten, die gemeinsam eine Mehrheit von 58,33 Prozent der Wähler hinter sich haben. Auch Alexander Van der Bellen sei deshalb Bundespräsident geworden, „weil er ausgeschlossen hatte, mit der FPÖ eine europafeindliche Partei anzugeloben“, orakelt Deutsch.

Die SPÖ würde bei einer Koalition mit den Blauen ihre Glaubwürdigkeit als antifaschistisches Bollwerk verspielen, die ÖVP als Europapartei, schreibt der Kultusgemeinden-Chef. Dagegen wären für ihn sowohl eine große Koalition als auch eine Minderheitsregierung eine Option.

Seine Ablehnung der FPÖ habe Gründe. So machten die Freiheitlichen „Andersdenkende und Andersaussehende zu Sündenböcken“, ihre Abgeordneten verbreiteten „antisemitische Verschwörungstheorien“. Zudem sei die FPÖ EU-feindlich.

Auch „symbolische Israel-Besuche“ können den IKG-Chef von dieser Einschätzung nicht abbringen: „Wenn sich der nationalistische Wolf einen blauen Schafspelz überzieht, ändert er sein Wesen nicht, nur sein Aussehen.“ Freiheitliche Spitzenfunktionäre, unter ihnen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, hatten in den letzten Jahren wiederholt versucht, durch demonstrative Reisen nach Israel und Auftritte an der Klagemauer ihr Image in Israel zu verbessern. Die so Umworbenen wollen davon aber nichts wissen, wie die Bannstrahl des IKG-Chefs zeigt. (mü)

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