Präzedenzfall mit Symbolwirkung: EU-Parlament sperrt Monsanto aus

30. September 2017
Präzedenzfall mit Symbolwirkung: EU-Parlament sperrt Monsanto aus
International
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Brüssel. Es ist hoffentlich mehr als nur Kosmetik: das Europaparlament hat jetzt Lobbyisten des US-Saatgutkonzerns Monsanto die Zugangsausweise entzogen und verweigert ihnen damit den Zutritt zum Parlamentsgebäude. Die Entscheidung, die bis auf Weiteres gelte, trafen die Vorsitzenden der im Parlament vertretenen Fraktionen am Donnerstag auf Antrag der Grünen.

Hintergrund ist die Weigerung des Konzerns, zu einer Anhörung im Parlament zu erscheinen. Der Grünen-Fraktionschef Philippe Lamberts erklärte dazu: „Wer demokratische Spielregeln ignoriert, verliert auch seine Rechte als Lobbyist im Europäischen Parlament.“ Nach wie vor gebe es Unklarheiten bei der Beurteilung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat, das von Monsanto hergestellt wird. „Monsanto muß sich den Fragen der Parlamentarier stellen und darf die Aufklärung nicht behindern”, forderte Lamberts.

Es ist das erste Mal, daß einem Unternehmen der Zugang zum Europaparlament entzogen wird. Der Vorgang ist von erheblicher symbolischer Bedeutung, weil am Parlamentssitz in Brüssel Tausende Lobbyisten tätig sind, die im Parlament praktisch ein- und ausgehen können. Die Verfilzung zwischen Parlament und Firmen-Lobbyisten wurde immer wieder kritisiert. (mü)

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4 Comments

  1. Fackelträger schreibt:

    Guter und sehr objektiv geschriebener Bericht! Warten wir’s mal ab, ob das nur eine Posse ist oder oder doch mehr.

  2. Don Andres schreibt:

    Ha, ha, ha…
    Das ist wahrlich nur ein “Vorgang von (erheblicher) symbolischer Bedeutung”! Wer sich vorstellt, Lobbyisten würden sich zu ihren Infiltrationsgesprächen brav beim Pförtner am Einlaß des Parlamentsgebäudes anmelden um danach im Büro eines EU-Abgeordneten ihrem Tagwerk nachzugehen, der glaubt auch an den Osterhasen. Brüssel hat exzellente Restaurants, verschwiegene Banken (gell, Juncker) formidable Schmucktempel und so manch andere Institutionen und “DienstleisterInnen”, die man ohne Übertreibung als wohlentlohnte Wasserträger erfolgreicher (politischer) Lobby-Arbeit ansehen darf.
    Über diesen “parlamentarischen Bann” lachen alle Lobbyisten von Monsanto und erzählen sich diesen EU-Witz bei einem köstlichen Mojito auf einer ihrer nächsten “Best-Lobbyist-of-the-Year”-Karibik-Reise.

  3. ALI BABA schreibt:

    Es draengt sich die Frage, ob ihr Glyphosat die Haelfte oder vielleicht mehr
    Elemente der Mendelejew-Tabelle enthaelt?! Es wuerde mich nicht wundern,wenn es sich herausstellen wuerde, dass dieses Mittel /Schutz..ha ha ha/ alle Elemente dieser obengenannten Tabelle in sich einschliesst. Diese weltbekannte Firma tut doch alles pro publico bono..ha ha ha.

  4. Emma D. schreibt:

    Weil die Bayer AG den kriegsverbrecherischen Agent-Orange-Konzern und menschenverachtenden Gentech-Tyrannen-Konzern (1) Monsanto aufkaufen will, gehören nun auch der Bayer-AG-Vorstand und Bayer-AG-Aufsichtsrat irgendwie degradiert, am besten per Gericht von ihren Posten gejagt. 60 Milliarden Euro, von deutschen Arbeitern erwirtschaftet, muss man nicht an die Amis für einen auch gesellschaftlichen Giftmischer verschwenden.

    (1) Der bekannteste Fall: Landwirt Percy Schmeiser in Kanada wurde von Monsanto übelst terrorisiert.

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