Die „neue“ ÖVP ist nicht ganz so neu: Die seltsame Vorgeschichte der „Liste Kurz“

17. Mai 2017
Die „neue“ ÖVP ist nicht ganz so neu: Die seltsame Vorgeschichte der „Liste Kurz“
National
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Wien. Wie gemeldet, will die österreichische ÖVP bei den immer wahrscheinlicher werdenden Neuwahlen unter einem neuen Namen ins Rennen gehen – als „Liste Kurz“. Die vom derzeitigen Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz angeführte Liste soll auch unabhängigen und parteifreien Köpfen offenstehen, wovon man sich breiteren Wählerzuspruch als von einer reinen Partei-Liste verspricht.

Wie jetzt bekannt wird, hat der mediale Coup offenbar eine Vorgeschichte. Denn schon am 20. März wurden zwei aufschlußreiche Internet-Domainnamen registriert: „listekurz.at“ und „liste-kurz.at“. Die Registrierungen erfolgten auf den Namen des Vorsitzenden der NEOS-Jugendorganisation Douglas Hoyos. Jetzt rätseln Beobachter, wie Hoyos schon im März von der „Liste Kurz“ Kenntnis haben konnte.

Hoyos´ Familie gehört zu den begüterteren in Österreich. Gute Kontakte zur ÖVP sind Familientradition. Hoyos junior machte Karriere bei der Raiffeisen-Bank.

Denkbar ist nun, daß Hoyos über die Familienkontakte zur Kurz-Partei ÖVP von den Plänen zur Umbenennung der Partei frühzeitig erfuhr und die Internet-Domains für sich reservierte, um der politischen Konkurrenz einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Eine andere Möglichkeit ist, daß sich Hoyos ausrechnet, sich selbst demnächst auf Kurz´ Wahlliste zu finden – österreichischen Medienberichten zufolge soll Kurz bereits begonnen haben, mit in Frage kommenden Kandidaten Kontakt aufzunehmen und dabei insbesondere in NEOS-Kreisen vorstellig zu werden.

Erkennbar ist im Augenblick allerdings nur das Bestreben, die „alte“ ÖVP abzuwickeln und ihr einen neuen Anstrich zu geben. Inwieweit sich das Lifting am Wahltag für Kurz auszahlt, bleibt abzuwarten. (mü)

 

Bildquelle: flickr/Österreichisches Außenministerium/CC BY 2.0 – (C) photonews.at/Georges Schneider – Stift Wien – 13.06.2016 –
Sebastian Kurz ÖVP

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10 Comments

  1. Paul Buchfeld schreibt:

    Was nicht alles unternommen wird um die AFD zu verhindern. Kurz spricht zwar Probleme an, wird diese aber nicht ändern. Er könnte genauso gut ein Politiker von der CSU sein. Rechts blinken und links abbiegen.

  2. Bernd Sydow schreibt:

    Daß in Österreich eine politische Gruppierung auch dann erfolgreich sein und in den Nationalrat einziehen kann, wenn sie nicht einen „klassischen Parteinamen“ hat, bewies 2013 das Team Stronach; es hätte ebenso gut Liste Stronach heißen können. Es ist wohl nicht übertrieben zu sagen, daß Sebastian Kurz ein politisches Genie ist und darüber hinaus über Charisma verfügt. Soweit mir bekannt, gibt es in Europa keinen jüngeren Außenminister als ihn. Seine „Strache-light“-Äußerungen in Parlament und Medien halte ich für glaubwürdig, andere dagegen nur als konservative Fassade einer politisch korrekten ÖVP. Mit seiner ‚Liste Sebastian Kurz‘ hat er sich nun aber nicht nur vom Namen ÖVP abgenabelt.

    Sollte es zu Neuwahlen kommen, könnte seine Liste stärkste Partei werden. In einer Koalition mit der FPÖ (und Team Stronach?) würde er Bundeskanzler sein (wohl der jüngste österreichische aller Zeiten) und Strache oder Hofer Vizekanzler; beide wären auch Minister. Dann wäre die Sensation perfekt.

    • Bernd Sydow schreibt:

      Ergänzende Korrektur: … mit der sicherlich nicht zu ignorierenden FPÖ sowie NEOS (und Team Stronach?) …

  3. jacky schreibt:

    Jungmänner haben europaweit Saison.
    Macron, Kurz, Lindner.
    Jo, jo!

  4. Paul Buchfeld schreibt:

    Und nach der Wahl ist er wieder bei der ÖVP. Eine FPÖ als Juniorpartner? Wenn überhaupt dann umgekehrt. Alle Politiker der ÖVP egal wie überzeugend sie bei den Medien rüberkommen tragen den Kurs einer ÖVP. Absolut nicht wählbar. Wenn sollte man das Original wählen und keine billige Kopie, sonst wird sich nie etwas ändern. Wir hatten das doch alles schon in Deutschland. Die CDU- Politiker, von Kohl, Strauß, Steuber usw. hatten sich doch vor 25 Jahren auch sehr kritisch über Zuwanderung ausgesprochen. Auch von der Rückkehr von türkischen Ausländern war die Rede. Selbst Merkel hatte sich vor ca 13 Jahren noch sehr kritisch über Asylanten geäussert. https://www.youtube.com/watch?v=5CeLla8e7g8 Nein wir kennen doch dieses Schmierentheater. Warum gibt es immer wieder Wähler die auf so eine billige Polemik hereinfallen. Die Einwanderung ist geplant, die Nationalstaaten sollen abgeschafft werden und das Volk soll durch andere Völker vermischt und ersetzt werden. Das ist Fakt. Und ÖVP,SPÖ…, CDU/CSU,SPD…. tragen diese Politik mit. Das ist auch Fakt, oder haben Deutschland und Österreich etwa doch keine Asylanten aufgenommen. Oder werden etwa in beiden Ländern doch nicht immer mehr Migranten in den nationalen Staatsdienst aufgenommen. Oder werden etwa doch nicht immer mehr Rechte von islamischen Lobbygruppen in deren Gesellschaften eingebracht? Ist es nicht so daß immer mehr Moscheen gebaut werden? Es findet also keine allmähliche Zersetzung der nationalen Staaten statt? Ok wenn dem nicht so ist habe ich mich getäuscht. Dann kommt es mir nur so vor daß ich mich in meiner Stadt zumindest in der Innenstadt und in sehr vielen Stadtteilen schon fremd fühle.

    • Oliver Herberzholz-Mölln schreibt:

      Toller und zu 100% zutreffender Beitrag, sehr geehrter Herr Buchfeld (mit dem sich fremd fühlen in der eigenen Stadt geht mir exakt genauso… doch nicht nur in meiner Stadt). Vielen herzlichen Dank dafür. Doch leider wacht der Deutsche oder auch Österreicher IMMER NOCH NICHT auf.

      Aber es gibt leider auch sehr, sehr viele hier, oder auch in Österreich, die schnell dahin schmelzen oder alles glauben, wenn einer nett oder fesch daher kommt bzw. redet. Und ist er auch noch jung und sehr vital und sportlich ausschauend, ist es erst recht um ihn geschehen. Da setzt das Gehirn dann aus. Denn im Grunde will der Mensch (nicht nur Österreicher oder Deutsche) Harmonie, Sympathie und gerne alles glauben, was wer sagt. Im Grunde wollen wir das alle. In vielen oder gar den meisten Dingen ist das ja auch nicht weiter schlimm, aber hier, in diesem Punkt, wird es unser aller Untergang sein.

  5. Claus Ernst schreibt:

    So langsam erwachen in einigen europäischen Staaten Angehörige der Gene-
    ration, welche die unglaublichen Hypotheken der älteren Polit-Garde,
    insbesondere die Folgen der massenhaften, illegalen Migration werden
    tragen müssen. Sie sehen oder ahnen die fatalen Konsequenzen der Gegen-
    wartspolitik und setzen sich aktiv für eine Gegensteuerung ein. Sie sehen
    die unheiligen Verstrickungen und Seilschaften, der gegenseitigen Begünstigungen und die Absahnmentalität der gesellschaftlichen und politischen Führungskreise. Sie sehen das Medienkartell der Hofbericht-
    erstatter, das einseitig das Volk – bilden – will und den Sinngehalt und
    seinen eigentlichen Auftrag überhaupt nicht mehr begreift. Jede Bewegung,
    die sich außerparteilich gegen dieses unsägliche Demokratieverständnis
    formiert, verdient Unterstützung. Herrn Kurz kann nur von Herzen viel
    Erfolg gewünscht werden.

    • Oliver Herberzholz-Mölln schreibt:

      Sie scheinen zu den Dahingeschmolzenen oder Gehirngewaschenen zu gehören.
      Wird Herr Kurz Bundeskanzler, bleibt alles, wie es ist. Das können Sie mir glauben.

  6. Südwester schreibt:

    Nur weil ein Politiker der ÖVP plötzlich rechts blinkt, glaubt auch schon die Hälfte der Zuerst-Leser, daß die ÖVP jetzt eine rechte Partei ist, die künftig genau das Gegenteil dessen machen wird, was sie bisher gemacht hat. Wie viele sind denn z.B. auf Stronach hereingefallen? (Oder in Deutschland damals auf Schill?) Die FPÖ soll verhindert werden, und das wird dem Establishment auch wieder gelingen. Genauso, wie jetzt in Deutschland plötzlich wieder FDP gewählt wird, nur weil die Medien einen Jungpolitiker plötzlich zum Medienstar aufbauen. Ja, die AfD wird man auch noch unter die 5% bringen… In ein paar Monaten werden die meisten Zuerst-Leser glauben, man könne ohne weiteres auch FDP wählen, damit sich die Dinge ändern. Die Etablierten betreiben eben professionelle Marktforschung: Die Wähler wünschen „junge, unverbrauchte“ Gesichter, dann werden diese dem Wähler eben präsentiert. Die Verpackung ist neu und attraktiv, der Inhalt nicht. An den Taten sollt Ihr sie erkennen, nicht an ihren Wahlkampfsprüchen.

    • Oliver Herberzholz-Mölln schreibt:

      Klasse Beitrag, vielen Dank dafür.
      Ja, der Deutsche wird auch da wieder drauf hereinfallen. Deutschland und sein autochthones Volk will untergehen. Das steht für mich schon lange fest. Selbiges gilt für Österreich.

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