Wahlkampf-Rhetorik in der Türkei: Erdogan greift EU als „Kreuzritter-Allianz“ an

3. April 2017
Wahlkampf-Rhetorik in der Türkei: Erdogan greift EU als „Kreuzritter-Allianz“ an
International
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Ankara. Zwei Wochen vor dem Verfassungsreferendum in der Türkei feuert der türkische Präsident Erdogan erneut rhetorische Salven in Richtung Europa. Jetzt hat er die EU als „Kreuzritter-Allianz“ bezeichnet.

Wörtlich sagte Erdogan bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Hauptstadt Ankara vor Tausenden Anhängern: „Versteht Ihr, warum sie die Türkei seit 54 Jahren nicht in die EU aufnehmen? Ich sage es laut und deutlich: Das ist durchweg eine Kreuzritter-Allianz.“

Erdogan spielte in diesem Zusammenhang auf eine Audienz von Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Staaten bei Papst Franziskus in Rom am vorletzten Freitag an und sagte: „Schaut, in Italien, im Vatikan saßen lammfromm alle Anführer der EU-Mitgliedsstaaten und hörten dem Papst zu.“ Seit Beginn der Beitrittsverhandlungen der EU mit der Türkei 2005 „haben sie uns die ganze Zeit belogen“.

Wichtiger war Erdogan allerdings der Vorwurf an die Adresse der Europäer, sie hätten sich im Vorfeld der Volksabstimmung über das von ihm angestrebte Präsidialsystem am 16. April auf die Seite seiner Gegner geschlagen. Aber: „So Gott will, wird das türkische Volk, werden 80 Millionen den Anführern des Westens die größte Lektion erteilen.“ (mü)

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3 Comments

  1. Brauche Meinkontonoch schreibt:

    Man hätte niemals Türken aufnehmen dürfen.

    Nach all den Milliardenkosten deswegen und den gesellschaftlichen Verwerfungen, jetzt kommt wohl die Quittung hoch 10 als Dank dafür.

    Leider werden dann auch die betroffen sein,
    die von je her die Anwesenheit von Türken in Deutschland abgelehnt haben.

  2. Bernd Sydow schreibt:

    Es ist nicht das erste Mal, daß Erdogan die EU (und Merkel-Deutschland) in unflätigster Weise beschimpft und beleidigt. Hätten die EU-Verhandlungsführer noch einen Funken Ehrgefühl, müßten sie schon längst die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei beendet haben. Aber dazu sind sie schlicht zu feige, was sie mit dem lächerlichen Argument, die Türkei sei schließlich Nato-Mitglied, zu übertünchen versuchen.

    Und das weiß natürlich auch Erdogan, weshalb er nicht von sich aus die Beitrittsverhandlungen beendet – was eigentlich logisch wäre. Denn so kann er der Welt zeigen, wie stark seine Türkei und er selber ist, daß er sich gegenüber der EU im Grunde alles erlauben kann.

  3. Dr. Altenburger schreibt:

    Ja eben, wenn die westlichen Mächte Kreuzritter wären, dann wäre die Türkei nicht in der NATO und einige andere Länder auch nicht. Kreuzritter waren noch ehrliche Feinde, und keine falschen Freunde, und wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde.

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