Die Unbelehrbarkeit der Bonzen: Der Genozid am eigenen Volk wird weiter betrieben


Wenn es noch eines Beweises für die Unbelehrbarkeit der politischen Klasse bedurft hätte, so hätte Claudia Roth ihn spätestens an jenem denkwürdigen 3. Oktober 2016 in Dresden geliefert, als sie von einer Gruppe oppositioneller Demonstranten beschimpft wurde. Dies ist etwas, was Politikern bisweilen widerfährt, und sofern es sich bei den betreffenden Demonstranten um Rechte handelt, bleibt es auch bei rein verbalen Attacken.

Angriffe mit Farbbeuteln, Eiern und Steinen gehören dagegen zu den Methoden der Gesinnungsfreunde von Frau Roth, und schon mehr als einmal waren auch Politiker davon betroffen – Kohl, Strauß, sogar Joschka Fischer –, ohne daß die Claudia Roths dieser Republik und die ihnen sekundierende Journaille es für nötig befunden hätten, ihr Betroffenheitsgesicht aufzusetzen und von einer „Grenzüberschreitung“ oder gar einem „Demokratie-Problem“ zu faseln.

Dabei hat dieser Staat in der Tat ein Demokratieproblem, aber die Roths, die Gewalttäter der eigenen Couleur nie verurteilen, sondern anstacheln und den Rechtsbruch gegen Andersdenkende zur staatsbürgerlichen Tugend erheben, sind ein wesentlicher Teil dieses Problems.

Obwohl Roth von niemandem auch nur bedroht, geschweige denn angegriffen wurde, stammelte sie den Reportern ins Mikrophon, es sei „nur ein kleiner Schritt bis hin zur physischen Gewalt“ gewesen. Sollte sie es wirklich so empfunden haben, so hätte sie damit wenigstens einmal eine zarte Ahnung von dem bekommen, was zahllose PEGIDA-Demonstranten bei ihrem Spießrutenlauf durch den von ihr und ihresgleichen unterstützten linksradikalen Mob erleben mußten, der bei solchen Gelegenheiten weiß Gott mehr als einmal tatsächlich gewalttätig geworden ist.

Damit war die dummdreiste Heuchelei aber noch keineswegs zu Ende: Roth beschwerte sich auch noch darüber, daß man ihr „nicht zuhören“ wollte – als ob sie irgend etwas hätte sagen wollen, was nicht buchstäblich jeder Fernsehzuschauer dieses Landes längst im Schlaf herunterbeten kann.

Hätte Roth sich über die Einwände gegen die herrschende Politik wirklich informieren wollen, so stünde wahrhaftig mehr als genug Literatur aus der Feder der Kritiker zur Verfügung. Darum ging es ihr aber nicht. Es ging ihr darum, sich als „sensible Politikerin“ zu inszenieren, die „die Ängste der Menschen ernst nimmt“ (wie ein Irrenarzt seinen Patienten). Daß ihr diese billige Show vermasselt wurde – ihr, die doch einen verbrieften Anspruch darauf zu haben glaubt, jeden, der bei „drei“ nicht auf dem Baum ist, mit ihren kindischen Platitüden vollzuschnattern –, dies freilich ist eine unverzeihliche Grenzüberschreitung in einem Land, dessen Bonzen dafür gesorgt und sich daran gewöhnt haben, daß nur ihre Ideologie und keine andere mit Aussicht auf öffentliche Wirkung geäußert werden kann.

Daß dieses Meinungsmonopol rapide verfällt, ist für eine Roth selbstredend nicht etwa ein Anlaß, in sich zu gehen, sondern „eine ernst gemeinte, dauerhaft finanzierte und massiv organisierte Demokratie-Offensive“ zu fordern – also noch mehr Propaganda, noch mehr Gehirnwäsche, noch mehr Gesinnungszensur: noch mehr von allem, mit dem die Regierenden sich die nur zu berechtigten „Haut-ab“-Rufe von Dresden eingebrockt haben. Auf solche Lösungen kann wohl nur verfallen, wer von der Lebenswirklichkeit seines Landes noch weiter entfernt ist als die Hofschranzen Ludwigs des Sechzehnten, die in der Scheinwelt von Versailles so lange ihre Menuette tanzten, bis die Revolution sie auf den Boden der Wirklichkeit holte.

Ganz nebenbei haben die Hofschreiber des regierenden Kartells mit der ihnen eigenen Schwarmintelligenz – also jener Art von Intelligenz, über die auch Heringe verfügen – eine neue Propagandafigur entdeckt: Die Oppositionellen wollten ja überhaupt nicht diskutieren – so wird ihr fortdauernder Ausschluß aus dem „öffentlichen Diskurs“ mit einem neuen Vorwand scheingerechtfertigt. In Wahrheit wollen sie dies durchaus. Sie sind nur nicht mehr naiv genug, sich an verlogenen „Diskurs“-Inszenierungen zu beteiligen, deren Spielregeln stets zu ihren Lasten gesetzt werden.

Allerdings wäre auch zu fragen, worüber dabei diskutiert werden soll. Was wäre denn gewonnen, wenn man deutschen Politikern vorrechnete, daß ihre Politik das Ende des deutschen Volkes bedeutet? Das wissen sie doch längst – sie bekennen sich ja täglich zu genau diesem Ziel, wenn auch in wohlklingenden PR-Floskeln, und streiten es nur dann ab, wenn man es ihnen in klarer deutscher Prosa auf den Kopf zusagt. Der Graben zwischen den Regierenden und dem Volk ist keine Meinungsverschiedenheit, sondern ein Zielkonflikt: zwischen denen, die den kalten Genozid am eigenen Volk betreiben, und denen, die ihn verhindern wollen.

Manfred Kleine-Hartlage ist freier Publizist und  regelmäßiger Kolumnist von ZUERST!.