Wo die Wikinger wohnten – Das Museum Haithabu bietet dieses Jahr ein umfangreiches Programm

8. Mai 2016
Wo die Wikinger wohnten – Das Museum Haithabu bietet dieses Jahr ein umfangreiches Programm
Geschichte
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Das Museum Haithabu bietet dieses Jahr ein umfangreiches Programm vor der Teilpause 2017

„Gott schütze uns vor dem Zorn der Nordmänner!“ Dieser Ruf war zu Zeiten der Wikinger in Europa weit verbreitet, denn man fürchtete ihre Überfälle. Daß sie aber auch eifrige Händler waren, das kann man heute noch im Norden Deutschlands erleben. Das Wikinger-Museum Haithabu in Schleswig-Holstein ist ein wahrer Besuchermagnet im hohen Norden. Im vergangenen Jahr zog es 139.269 Wikinger-Interessierte vor die Tore der Stadt Schleswig auf das Areal der ehemaligen Siedlung der Nordmänner. Um so bedauerlicher ist es, daß am Ende der diesjährigen Saison und im kommenden Jahr eine Zwangspause für einen Teil der Anlage bevorsteht.

Denn aufgrund von Sanierungsarbeiten in der Museumshalle bleiben deren Tore im kommenden Jahr geschlossen. Wegen eines Pilzbefalls der Balkenkonstruktion müssen die betroffenen Teile ausgetauscht werden. So bietet sich in diesem Jahr noch die Gelegenheit, das dort ausgestellte Wikingerschiff „Haithabu 1“ zu bestaunen. Wie die Museumsleitung nicht ohne Stolz verkündet, handelt es sich dabei um „das beachtliche Wrack eines wikingerzeitlichen Kriegsschiffs […], das einst das schnellste Gefährt auf der Ostsee war“.

Auf dem Gelände der heutigen Museumsanlage befand sich vom 9. bis zum 11. Jahrhundert mit der Stadt Haithabu eines der bedeutendsten Handelszentren im damaligen Nordeuropa. Dort kreuzten sich die Handelswege aus aller Welt. Aufgrund der günstigen Lage war der Ort für fast 300 Jahre die Schlüsselposition des Handels zwischen der Nord- und Ostsee. Erst die Zerstörung der Siedlung im Jahr 1066 durch die Westslawen beendete die Geschichte der Stadt. Seit 1900 fanden dort immer wieder Ausgrabungen statt, die in den 1930er und 1960er Jahren intensiviert wurden. Seit 1981 läßt das Museum die Welt der Wikinger im Norden Deutschlands wieder lebendig werden.

Auch abgesehen von den Ausstellungsstücken in der Schiffshalle will die Einrichtung 2016 den Gästen einige Höhepunkte bieten. So versprach Museumsleiterin Ute Drews dem Nachrichtenportal SHZ ein „Veranstaltungsprogramm der Superlative“. Denn nicht nur die zahlreichen Exponate aus dem Frühmittelalter und die rekonstruierten Wikingerhäuser sollen das Interesse der Besucher wecken. Es gibt auch Möglichkeiten, ein Stück weit in das Leben der Wikinger einzutauchen. So kann der Besucher selbst ein Thorshammer-Amulett aus Zinn gießen oder das Backen von Fladenbroten wie vor Hunderten von Jahren ausprobieren. Weitere Kurse vermitteln Kenntnisse im mittelalterlichen Handwerken und in der damaligen Textiltechnik. Wem das nicht reicht, der kann sich auch in die Kunde der Wildkräuter einweisen lassen.

Neben diesen Aktivitäten bietet das Jahresprogramm bis zum Saisonende im Oktober auch eine Menge Vorträge und Vorführungen. Im Mai will man die Besucher auf eine „musikalische Zeitreise in die Welt der Wikinger“ mitnehmen. Anfang Juni soll es dann ganz handfest zur Sache gehen. Die Vorführung „Wikinger im Krieg! Waffen und Kampfweisen im frühen Mittelalter“ will einen Eindruck davon geben, wie sich die Nordmänner ihren Ruf als gefürchtete Krieger erstritten.

Aber auch für die Wikingerbegeisterten, die es in diesem Jahr nicht nach Haithabu schaffen, kann sich eine Reise im kommenden Jahr lohnen, wie Guido Wendt, Leitender Direktor und Kaufmännischer Geschäftsführer der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, betont. Denn nicht nur die Wikingerhäuser werden weiter für Besucher zugänglich sein. Auch ein Teil der Ausstellungsstücke aus der vorübervorübergehend geschlossenen Museumshalle wird in eigens hergerichteten Containern präsentiert. „Eine Containerausstellung kann man durchaus ästhetisch gestalten“, verriet Wendt gegenüber den Schleswiger Nachrichten. Außerdem soll im nächsten Jahr mit einer wissenschaftlichen Ausgrabung auf dem angrenzenden Gräberfeld begonnen werden. In dem Gebiet, das im Halbkreiswall des Freigeländes liegt, vermuten Forscher nämlich die sterblichen Überreste von gut 10.000 Personen.

Am 9. Oktober wird die Museumshalle geschlossen. Die rekonstruierten Wikingerhäuser sind in diesem Jahr für Besucher noch bis zum 28. Oktober geöffnet. (Dr. Alexander Graf)

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Bildquelle: Pixabay/steinchen/CC0 Public Domain
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Ein Kommentar

  1. Emma D. schreibt:

    Ich war vergangenes Jahr im Museum und Museumsdorf Haithabu! Wirklich sehr emfehlenswert!
    In der Stadt Schleswig nebenan findet man in einer Buchandlung Wikinger-Ausrüstung und viel heimatfreundliche Literatur, ohne dass eine Antifa Ärger macht. Gegen Dänen traut man sich nicht.

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