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Renommierte Historiker zum Asyl-Ansturm: „Europa riskiert seine Auflösung“

Davos. Der renommierte britische Historiker Niall Ferguson hält die Zuwanderungspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel für verfehlt. Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos sagte er gegenüber dem „Handelsblatt“: „Für mich sieht die Öffnung der Grenzen aus wie ein tragischer Fehler.“ Er habe noch immer keine Erklärung dafür, warum Merkel ein derart hohes politisches Risiko eingegangen sei.

Ferguson hält Merkels Flüchtlingspolitik für grundverkehrt. „Es ist offensichtlich, daß sie die Gefahren ihrer Politik unterschätzt hat“, sagte der Historiker, der an der US-Universität Harvard lehrt. Ferguson hält es im Gegensatz zu immer noch zahlreichen deutschen Politikern für eher unwahrscheinlich, daß Europa es „schaffen“ könne. „Ich glaube nicht, daß Multikulti in den meisten europäischen Ländern funktioniert. Und auch Deutschland sieht das nach den Ereignissen in Köln wohl ein“, sagte Ferguson und verwies auf die Lehren der Vergangenheit: „Wir wissen aus der Geschichte, daß Nationen und ihre Reiche oft sehr schnell zusammenbrechen können. Europa riskiert im Moment seine eigene Auflösung.“

In das gleiche Horn stieß der bekannte deutsche Althistoriker Alexander Demandt, der in der F.A.Z. einen Text veröffentlichte, der von der Zeitschrift „Die politische Meinung“ erst bestellt und dann – mit der Begründung, der Beitrag könne in der aktuellen politischen Situation mißinterpretiert werden – abgelehnt wurde. Demandt widmet sich in dem Artikel dem Ansturm germanischer Stämme auf das Römische Reich im 3. bis 5. Jahrhundert nach der Zeitenwende, um aufzuzeigen, wo damals die Grenzen von Assimilation und Integration lagen. Als die Aufnahme von Germanen, vorwiegend als Söldner, in das Römische Reich in verkraftbaren Größenordnungen verlief, profitierten sowohl Römer als auch Germanen von dieser Symbiose, so Demandt, der konstatiert: „Es entstand eine römisch-germanische Militäraristokratie, ein genealogisches Netzwerk von Verbindungen.“ Der Althistoriker erwähnt dabei nicht, daß gerade die indogermanische Wesensverwandtheit germanischer Stämme und der römischen Oberschicht zu dieser fruchtbringenden Symbiose beitrug.

An der Richtigkeit von Demandts Schlußfolgerung für heute ändert dies jedoch nichts: „Überschaubare Zahlen von Zuwanderern ließen sich integrieren. Sobald diese eine kritische Menge überschritten und als eigenständige handlungsfähige Gruppen organisiert waren, verschob sich das Machtgefüge, die alte Ordnung löste sich auf.“ (mü/sp)

 

Bildquelle: Wikimedia/Stefan Bauer/CC BY-SA 2.5