Eigentor: Die Rußland-Sanktionen schaden auch der deutschen Wirtschaft

6. September 2014
Eigentor: Die Rußland-Sanktionen schaden auch der deutschen Wirtschaft
Wirtschaft
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Berlin/Moskau. Die Tageszeitung „Die Welt“ sieht es eher propagandistisch und titelt: „Rußland vernichtet Wohlstand in Deutschland“.

Doch das tut mitnichten Rußland, sondern weit eher die EU mit ihren Sanktionen gegen Moskau, die sich jetzt sehr rasch zum Bumerang entwickeln. Tatsache ist: die deutsche Wirtschaftsleistung schrumpft. Sie ist – noch ohne Sanktionen – im Frühjahr 2014 bereits stärker geschrumpft als befürchtet, auch wenn der Rückgang noch kein Grund zur Panik ist. Denn verantwortlich für die wirtschaftliche Schwäche im Frühling war der äußerst milde Winter: weil Schnee und Eis ausgeblieben sind, konnte auf vielen Baustellen auch in den dunklen Monaten weitergearbeitet werden, so daß viele Arbeiten, die sonst erst im Frühjahr anfallen, schon vorgezogen wurden.

Doch für die nächsten Monate haben die Wirtschaftsexperten trübe Aussichten im Blick. Denn nun kommt die Konfrontation mit Rußland dazu, die viele deutsche Firmen belastet. Nun zeigt sich: die von der EU verhängten Sanktionen werden zu einem großen Problem für die deutsche Wirtschaft.

Dabei haben die Krisen in Osteuropa und dem Nahen Osten schon jetzt in den Zahlen vom Frühjahr Spuren hinterlassen und gefährden die wirtschaftliche Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte. Denn bereits in den ersten Monaten des Jahres haben die internationalen Spannungen dafür gesorgt, daß ausländische Abnehmer weniger aus Deutschland gekauft haben und die verunsicherten Unternehmen hierzulande dringend notwendige Investitionen erst einmal verschoben haben. Auch die im großen und ganzen gutgelaunten und eifrig konsumierenden Verbraucher konnten die schlechte Stimmung bei den Firmen nicht ausgleichen.

Dabei sind sich die Marktbeobachter einig: den stärksten Dämpfer bekommt die deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten durch die Ukraine-Dauerkrise ab, die seit kurzem durch ein sich aufschaukelndes Wechselspiel von Sanktionen und Gegenmaßnahmen gekennzeichnet ist. Die Sanktionen gegen Rußland werden zahlreiche Unternehmen hart treffen – immerhin rund 6.200 deutsche Firmen sind derzeit im Rußland-Handel mehr oder weniger stark engagiert. Aber entscheidender noch als die tatsächlichen Zahlen sind die psychologischen Folgen der Lage. Die Aussicht auf eine weitere Eskalation lähmt die Führungskräfte, und die Ungewißheit erlaubt es vor allem exportierenden Unternehmen kaum, verläßlich zu planen. Das wiederum sorgt dafür, daß die Firmen weniger investieren.

Alles in allem könnte die Ukraine-Krise jetzt der entscheidende zusätzliche Faktor werden, der die Unternehmen und ihre Kunden zweifeln läßt. Die deutsche Wirtschaft droht in den kommenden Monaten zu stagnieren. Doch daran – diesen Vorwurf kann man der Politik nicht ersparen – sind die Europäer selbst schuld. Sie können sich bei ihren Regierungen bedanken, die die vor allem von den USA initiierten Sanktionen willig mitvollzogen haben. (ds)

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