Sanktionen gegen Rußland: Das mögliche Gegengewicht der Schwellenländer

14. April 2014

Foto: Wikimedia/Vladimir Yaitskiy, CC BY-SA 2.0

Moskau. Die Sanktionsmaßnahmen, die die westlichen Staaten seit der Angliederung der Krim gegen Moskau ergriffen haben, sind bis jetzt mehr oder weniger symbolischer Natur.

Konten wurden eingefroren und Einreiseverbote ausgesprochen. Das gilt auch für den kürzlich auf einem außerplanmäßig einberufenen Treffen in Den Haag erfolgten Entscheid, den Gipfel der führenden Industrienationen, der im Juni im russischen Sotschi hätte stattfinden sollen, abzusagen und statt dessen ein Treffen ohne Rußland in Brüssel anzuberaumen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte zwar, man wolle mit der G 7 im Gespräch bleiben, zeigte sich aber ansonsten von der Ausladung seines Landes eher unbeeindruckt. Eine Haltung, die man dem Chefdiplomaten durchaus abnimmt, ist doch die G 8 beziehungsweise G 7, wie sie jetzt wieder heißt, ohnehin eine eher seltsame Veranstaltung: Muß man Kanada und Italien, die neben den USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Japan der Gruppe angehören, wirklich noch immer zu den führenden Industrie nationen des Planeten zählen? Und was ist mit China, Indien und Brasilien, Schwellenländer, die schon jetzt an manchen G 7-Mitgliedern vorbeigezogen sind, jedoch nie in den exklusiven Club eingeladen wurden?

Rußland stieß 1998 zu den vermeintlich führenden Wirtschaftsmächten, was bei Beobachtern schon damals Stirnrunzeln hervorrief: Ein ökonomischer Senkrechtstarter war das Land trotz des sich anbahnenden Reichtums durch Rohstoffexporte nicht. Rußland entwickelte sich nicht rasant, dafür aber kontinuierlich. Niemand hätte vor 20 Jahren geglaubt, daß das durch die Aufl ösung der Sowjetunion angeschlagene Riesenreich eine Mammut-Veranstaltung wie die Olympischen Winterspiele so akkurat vorbereiten und organisieren könnte. Aus dem Blickwinkel von 1998 gesehen stellte die Erweiterung der G 7 zur G 8 lediglich einen Akt der diplomatischen Höfl ichkeit gegenüber dem damaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin dar. Für den Westen war es eine relativ billige Methode, Moskau durch eine eher symbolische Aufwertung für die Osterweiterung der NATO, die ebenfalls in jenen Jahren beschlossen wurde, scheinbar zu kompensieren.

Wollte Wladimir Putin den Westen nun ärgern, er könnte eine Gegengruppe der größten Schwellenländer initiieren. Nicht nur wirtschaftlich bilden etwa China, Indien und Rußland ein nicht zu unterschätzendes Gewicht, sondern auch militärpolitisch. China vergrößert massiv seine Armee, zusammen mit Indien werden beide Mächte in Kürze mehr Flugzeugträger im ostasiatischen Raum stationiert haben als die USA. Das Krim-Szenario wurde in Peking im Hinblick auf die angestrebte Wiedervereinigung mit Taiwan aufmerksam studiert. So könnte Rußlands Auschluß aus dem G 8-Club sich letztlich als ein Bumerang erweisen – wie alle Versuche des Westens, Rußland außen vor zu halten. Und wenn die G 7-Gruppe in ihrer Zusammensetzung den ökonomischen und politischen Realitäten nicht endlich Rechnung trägt, ist ihr Weg in die totale Irrelevanz programmiert.

Dieser Artikel erschien zuerst in „Der Schlesier“.

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