Schleswig-Holstein: Begriff „Heimatkunde“ ab sofort gestrichen – Bildungsministerin setzt auf Unterricht über „die eine Welt“

12. Juni 2013

Foto: Wikimedia/Collections École Polytechnique/Jérémy Barande, CC BY-SA 3.0

Kiel. Die Bildungsministerin der schleswig-holsteinischen Landesregierung aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerbund (SSW), Waltraud Wende (parteilos), hat veranlaßt, daß Schulfach „Heimat- und Sachkunde“ an Grundschulen in „Sachkunde“ umzubenennen.

Als Begründung teilte ein Ministeriumssprecher laut der Internetseite des „Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags“ mit: „Der Unterricht in diesem Fach geht längst über das hinaus, was der Begriff Heimat meint. Mit der Umbenennung machen wir mit dieser Verengung Schluß“. Letztlich handele es sich nur um eine Anpassung an die Unterrichtswirklichkeit, die ihren Fokus auf Europa und „die eine Welt“ richte. Zwar sei in den Lehrplänen der Grundschulen tatsächlich verankert, daß in dem Fach nicht nur die Heimat ins Blickfeld genommen werde, so der Bericht. Jedoch werde die Auseinandersetzung mit dem Begriff genutzt, um Zusammenhänge, Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit anderen Kulturräumen heraus zu arbeiten.

Von ideologischer Überfrachtung, geographischer Enge, zu wenig Wissenschaftlichkeit und zu starker Orientierung am Land-Idyll könne daher keine Rede sein, kritisierte FDP-Sprecherin Susann Wilke die Maßnahme. Offenbar habe das Ministerium „ein verquastes und vorurteilsbeladenes Verständnis von Heimat“, so die Politikerin laut dem Bericht. Auch der Heimatbund kritisierte die Entscheidung: Heimatkunde-Unterricht bedeute „eine Bewußtmachung der eigenen Identität, der historischen und kulturellen, auch naturlandschaftlichen Besonderheiten der eigenen Lebenswelt und Region“ und der heimischen Sprachen, so dieVorsitzende der Organisation Jutta Kürtz. Daß eine Landesregierung, die immer wieder hervorhebe, auf Dialog zu setzen, den Begriff Heimat stillschweigend abschaffe, sei „schlicht unglaublich“. Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Johannes Callsen und die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Heike Franzen, kritisierten den Vorgang. „Kinder brauchen Wurzeln. Erst wenn sie ihre eigene Heimat verstehen, können sie auch die große Welt durchblicken. Der Heimatunterricht soll ihnen dazu das nötige Wissen vermitteln und zur Identitätsbildung beitragen“, hieß es in einer Pressemitteilung der Partei.

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