Künstliche DNS: Wie die Polizei in Grenzregionen die Eigentumskriminalität eindämmen will

7. Juni 2013

Foto: flickr/Marco_Broscheit, CC BY 2.0

Görlitz. Ein trauriger Trend: In grenznahen Orten wie Weißwasser stieg die Zahl der Autodiebstähle allein zwischen 2010 und 2011 um 53 Prozent, die der Fahrraddiebstähle um 123 Prozent, doch nicht nur in der Region Oberlausitz-Niederschlesien leidet die Bevölkerung durch stetig steigende Diebstähle und Einbrüche.

Sicherheitsschlösser, Zäune oder Alarmanlagen bieten längst keinen ausreichenden Schutz mehr. Nun will die Polizei in der Region für den Einsatz einer geheimnisvolle Substanz werben, die Einbrecher davon abhalten können soll, auf Beutezug zu gehen. Diese Substanz ist eine künstlich hergestellte DNS zum Schutz von Eigentum, die sich als lackartige Flüssigkeit einfach auf Wertsachen auftragen läßt. Diese erhielten dadurch eine eindeutig identifizierbare Markierung, sagt der Leiter des Pilotprojekts in der Polizeidirektion Görlitz, Mario Steiner.

Auf diese Weise lasse sich Diebesgut dem rechtmäßigen Besitzer genau zuordnen. In Bremen und Brandenburg wird künstliche DNS bereits eingesetzt, nun soll sich auch in Sachsen die neue Strategie zur Vorbeugung von Straftaten durchsetzen. Steiner erklärte, die in Großbritannien entwickelte Methode sei bereits in den Niederlanden und in Belgien erfolgreich erprobt worden.

Am letzten Aprilwochenende fand in Löbau die Gewerbe- und Leistungsschau des Landkreises Görlitz „Konvent’a“ statt. Auf dieser Messe sowie auch bei anderen Veranstaltungen informiert nun die Polizei mit Faltblättern über die Vorteile künstlicher DNS: „Auch Täter sollen davon wissen.“

Warnplaketten an Haustüren oder Firmeneingängen, die auf die Markierung des sich dahinter befindlichen Eigentums hinweisen, könnten potentielle Diebe abschrecken, wie schon die Erfahrungen der Polizei in Bremen und Brandenburg zeigten.

So ließen sich laut Steiner beinahe alle Gegenstände aus dem privaten oder gewerblichen Umfeld mit künstlicher DNS kennzeichnen, beispielsweise Heimelektronik, Schmuck, Werkzeuge, Baumaschinen oder Fahrzeugteile. Steiner bezifferte die Investitionskosten für ein Set mit Markierungsflüssigkeit und Warnaufkleber mit zwischen 80 und 100 Euro, doch stelle sich auch die Polizei mit der entsprechenden Erkennungstechnik darauf ein.

Steiner kündigte auch an, daß spätestens im Juni die sechs Reviere, Autobahnpolizei sowie Fahndungsgruppen in den Landkreisen Görlitz und Bautzen mit speziellen UV-Licht-Taschenlampen ausgestattet seien. Mit dem UV-Licht könnten dann die fluoreszierenden Partikel in der künstlichen DNS zum Leuchten gebracht werden. Jedes Markierungsset habe durch die Mischung seiner Substanz einen einmaligen Code, der sich durch Mikroskop-Kameras bestimmen lasse. Durch die Registrierung der Gegenstände in einer Datenbank lasse sich der Besitzer von Diebesgut rasch ermitteln.

Allerdings sollte seitens der hohen Politik auch daran gedacht werden, daß bei der Polizei entlang der Oder und Neiße kräftig Personal abgebaut wurde. Eine Umkehr dieser Personalpolitik könnte auch einen Beitrag zu höherer Sicherheit liefern. Mit künstlicher DNS allein wird sich der Anstieg der importierten Kriminalität nicht aufhalten lassen.

Dieser Artikel erschien zuerst in „Der Schlesier“.

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