Republik der Mafia: Wie sich die EU-Länder am Kosovo dumm und dämlich zahlen

17. Februar 2013

Pristina. Preisfrage: In welches arme europäische „Entwicklungsland“ fließen pro Kopf die meisten Steuergelder aus Deutschland und der EU zur „Stabilisierung“? Griechenland? Portugal? Vielleicht Island? Alles falsch. Kosovo lautet die Antwort.

Allein zwischen 1999 und 2007 wurden 3,5 Milliarden Euro an EU-Hilfen in das weniger als 1,75 Millionen Einwohner zählende Ländchen gepumpt, das eigentlich zu Serbien gehört. Seit der Unabhängigkeitserklärung am 17. Februar 2008 waren es dann noch einmal 1,2 Milliarden Euro. Die Bewilligung dieser Gelder ist ein Rätsel, denn immerhin fünf EU-Mitgliedstaaten verweigern dem jüngsten europäischen Staat bis heute die Anerkennung: Griechenland, Zypern, Bulgarien, Spanien und die Slowakei. Sie fürchten, daß die Sezession einer ethnischen Minderheit Schule machen könnte: Wenn die Albaner sich von Serbien abspalten durften, warum dann künftig nicht auch von Griechenland? Wer sollte die Ungarn in der Slowakei und Rumänien an der Ausrufung einer eigenen Republik hindern? Und Spanien drohen mit dem Baskenland und Katalonien gleich zwei mögliche Abspaltungen.

Unabhängig, wie man die Frage des „Selbstbestimmungsrechtes“ letztlich bewertet, bleibt dem Beobachter aber unklar, wie die EU Hilfsgelder für einen Staat freigeben konnte, den fünf ihrer Mitgliedstaaten nicht anerkannt haben. Aber das wäre ja nicht das erste Simsalabim, mit dem in der EU Geld zum Verschwinden gebracht wird. Das immerhin ist Fakt: Die EU-Hilfsgelder sind futsch. Fährt man über die Grenze, reihen sich auf gut asphaltierten Straßen in dichter Folge Tankstellen. Aber kaum ein Auto tankt dort. Die Verkehrsdichte ist gering, wenn auch die Luxusschlitten beeindrucken. Des Rätsels Lösung: Die Tankstellen sind Geldwaschanlagen. Durch sie werden schwarze Profite weiß gemacht, die in den Hauptbeschäftigungszweigen der Kosovo-Mafia verdient werden – Menschenhandel und Drogen. Eine andere ökonomische Aktivität gibt es im Kosovo nicht.

Viele sehen den Paten des Organisierten Verbrechens an der Spitze der Regierung: Hashim Thaci, Ministerpräsident seit Ausrufung des Kosovo-Staates 2008. Der Mitbegründer der Kosovo-Untergrundarmee UCK studierte in der Schweiz. Spätestens ab 1998 verbrachte er jedoch die meiste Zeit auf dem Amselfeld und nutzte die Alpenrepublik nur noch als Ruheraum. Seine Stunde schlug während der Kosovo-Friedensverhandlungen in Rambouillet bei Paris im Februar 1999: Der damalige Chef der UCK, Adem Demaci, wollte den von den NATO-Mächten angebotenen Vertrag nicht unterschreiben, da er nicht die sofortige Unabhängigkeit vorsah. Thaci war flexibler und erkannte, daß es das wichtigste war, die NATO in den Krieg gegen Jugoslawien zu bringen und mit deren Hilfe den Rückzug der Serben aus der Provinz zu erzwingen – dann würde ihm irgendwann der eigene Staat wie eine reife Frucht in den Schoß fallen. Diese Position setzte sich unter den UCK-Feldkommandanten durch: Sie wählten noch während der Konferenz Thaci an die Stelle von Demaci. Wolfgang Petritsch, der EU-Unterhändler in Rambouillet, will dabei mitgewirkt haben.

Nach elf Wochen NATO-Bombenkrieg kapitulierte Jugoslawien am 10. Juni 1999. Die NATO rückte ins Kosovo ein, die UN übernahmen die Verwaltung und verlangten auch die Auflösung der UCK. Thaci wurde Politiker und Geschäftsmann der besonderen Sorte. Im Jahr 2000 faßten deutsche Polizisten, die in der Provinz Dienst für die UN taten, ihre Erfahrungen gegenüber dem Hamburger Abendblatt zusammen: „Ehemalige UCK-Kämpfer handeln mit Drogen, Menschen und erpressen Schutzgelder. Die Uno scheint machtlos und blockiert ihre eigenen Ermittlungen. Für den UN-Polizisten Münich war Kosovo ,der Nährboden für die Organisierte Kriminalität.‘“ Und weiter: „Mörder kommen im Kosovo nach spätestens 72 Stunden wieder frei, weil die Kapazitäten des Gefängnisses nicht ausreichen oder die Richter sich nicht trauen, Strafen auszusprechen. Die grünen Grenzen nach Albanien sind offen […] Falschgeld. Waffenhandel. Zuhälter verkaufen 13jährige Kinder an LKW-Fahrer, immer wieder werden Mädchen verschleppt. 40 Prozent des Heroins für Europa und die USA werden mittlerweile im Kosovo umgeschlagen, vermuten Experten. Und bei vielem ist die UCK dabei, glaubt Polizist Münich: ,TMK (das Kosovo-Schutzkorps, in dem die UCK aufgegangen ist) ist nur ein anderes Wort für Mafia.‘“ – „Wer nicht zahlt, wird mit dem Tod bedroht“, resümierte Ralf Dockenfuß vom LKA Kiel das Geschäft mit den Schutzgeldern. Münich faßt die Macht des UCK-Bosses in einem anschaulichen Beispiel zusammen: „Von jedem Schnitzel, das ich hier esse, bekommt Thaci 50 Pfennig.“

Daß über das Kosovo 40 Prozent des Heroinhandels nach Westeuropa und in die USA abgewickelt werden, scheint nicht übertrieben, wenn man die Dossiers kennt, die der BND bereits vor dem Krieg über die Drogengeschäfte der UCK angelegt hat: „Die albanische Mafia steuert den Heroinhandel, den sie auch als Tauschgeschäft gegen Waffen abwickelt, von ihren Stützpunkten in Albanien, Mazedonien und vor allem in der serbischen Provinz Kosovo aus. Die muslimischen Albaner im Kosovo nutzen ihre weltweiten Verbindungen, um mit illegalen Geschäften ihren Lebensunterhalt, ihre separatistischen Aktivitäten – zum Beispiel Waffenkäufe – oder eine Flucht zu finanzieren. Dabei ist der Heroinschmuggel nach Westeuropa zu einer ihrer Einnahmequellen geworden.“

Neben dem Drogenhandel spielt die sexuelle Gewaltkriminalität für die Geldbeschaffung der albanischen Mafia eine gewichtige Rolle. Der Spiegel berichtete Ende Februar 2000: „Etwa hundert albanische Mädchen und junge Frauen sind laut Informationen des Zentrums für Frieden und Toleranz innerhalb eines Monats allein in der Region Pristina gekidnappt worden.“ Kann man sich vorstellen, daß in Hamburg-Altona oder Berlin-Kreuzberg, deren Bevölkerung etwa so groß ist wie die der Region Pristina, innerhalb von vier Wochen 100 Mädchen verschleppt werden und dies den meisten Medien höchstens eine beiläufige Erwähnung wert ist? Das schamhafte Schweigen der westlichen Medien hatte damals seinen Grund: Kurz zuvor, während des Krieges um das Kosovo 1998/1999, hatten sie die Albaner durch die Bank als arme Opfer und die UCK als Freiheitskämpfer dargestellt. Es schien ihnen unglaublich, daß sie auch Täter sein konnten.

Ein geheimes BND-Dossier über die Organisierte Kriminalität (OK) im Kosovo vom 22. Februar 2005 bekräftigte die Vorwürfe gegen die dortige politische Führung: „Über die Key-Player (wie z.B. Thaci) bestehen engste Verflechtungen zwischen Politik, Wirtschaft und international operierenden OK-Strukturen im Kosovo. Die dahinter stehenden kriminellen Netzwerke fördern dort die politische Instabilität. Sie haben keinerlei Interesse am Aufbau einer funktionierenden staatlichen Ordnung, durch die ihre florierenden Geschäfte beeinträchtigt werden können.“ Deshalb, so heißt es weiter, streben „maßgebliche Akteure der OK auf dem Balkan entweder in hohe Regierungs- oder Parteiämter und/oder pflegen gute Beziehungen zu diesen Kreisen“. Über Thaci heißt es: „Thaci gilt (…) als Auftraggeber des Profikillers Afrimi“. Auf dessen Konto sollen mindestens elf bestellte Morde gehen.

Auch sieben Jahre später ist die Lage nicht besser geworden. Im Kosovo hat sich „seit dem Einschreiten der internationalen Gemeinschaft im Sommer 1999 nicht wesentlich viel geändert“, heißt es in einem Bericht des Europäischen Rechnungshofes von Ende Oktober 2012. „Korruption und Organisierte Kriminalität sind nach wie vor hoch. Verantwortlich sind dafür zum Teil Kosovos Behörden, die Prinzipien der Rechtstaatlichkeit nicht genug beachten. Zum Teil liegt es an der EU, die bessere Hilfe leisten muß“, urteilt der Berichterstatter Gijs de Vries.

Dieser Artikel erschien in ZUERST! Ausgabe 12/2012

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9 Comments

  1. wolfgang port schreibt:

    lushi schreibt: never forget sebrenica…. google: propagand -lügen kosovo – krieg—simple methode: verbrechen der serben groß raus gestellt, auch wurden serben verbrechen auf raffinierte weise fälschlich angehängt –verbrechen der serben-gegner wurden großteils unter teppich gekehrt,verschwiegen!

  2. wolfgang port schreibt:

    google: mafia – staat kosovo

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