Vorbild Katalonien: Nehmen auch die Südtiroler ihr Selbstbestimmungsrecht wahr?

13. Januar 2013

Landkarte Südtirols (Foto: Wikimedia/Christoph Federer (Fedi), CC BY-SA 3.0)

Bozen. Im Jahr 2013 jährt sich zum 650ten Mal die Zugehörigkeit Tirols zu Österreich. 1363 vermachte die Tochter des letzten Meinhardiners, Margarete Maultasch von Tirol, ihr Land im Einvernehmen mit den Landständen ihrem nächsten Verwandten, dem Habsburger Rudolf dem Stifter. Im Frieden von Schärding erkannten 1369 auch die Wittelsbacher diese Entscheidung an.

Das Jubiläumsjahr soll zum Anlaß genommen werden, die Tiroler Landeseinheit und damit die Rückkehr Südtirols zu Österreich aktiv anzugehen, wie der Dritte Nationalratspräsident Dr. Martin Graf von der FPÖ und FPÖ-Südtirolsprecher Werner Neubauer jüngst anläßlich eines mehrtägigen Aufenthaltes in Südtirol verkündeten.

Immerhin, es scheint Bewegung in die Südtirol-Frage zu kommen. Am 8. Dezember gedachten in St. Pauls/Eppan mehr als 1.500 Schützen und viele Zivilisten des Freiheitskämpfers Sepp Kerschbaumer und seiner Kameraden. Auch fand eine Versammlung zum 20-Jahre-Jubiläum der Gründung der Südtiroler Freiheitlichen statt.

Die Südtiroler Freiheitlichen wurden ehedem als Speerspitze für die Durchsetzung der Selbstbestimmung gegründet. Bis heute stehen sie landespolitisch an der Spitze der Tiroler Heimattreuen. Südtirolsprecher Werner Neubauer erinnerte anläßlich des bevorstehenden Jubiläums an die gegenwärtige Situation Tirols: „Angesichts dessen muß man sich stets vergegenwärtigen, daß nicht
ganz Tirol heute bei Österreich ist“.

Neubauer forderte die Wiedereinführung einer Südtirol-Abteilung beim Amt der Tiroler Landesregierung. Auch sollten Südtirol-Konferenzen unter Beteiligung aller Parlamentsparteien gemeinsam mit Fach- und Rechtsexperten stattfinden, um die Zukunft der Einheit Tirols zu diskutieren. Ein Argument ist besonders heikel – aber auch besonders zutreffend: Durch die unsichere innenpolitische Zukunft Italiens sei jetzt für Südtirol der richtige Zeitpunkt gekommen, einen eigenständigen Weg zu beschreiten. Der Dritte Nationalratspräsident Dr. Martin Graf forderte, daß Südtirol neben den europaweit an Bedeutung gewinnenden Selbstbestimmungsbestrebungen etwa der Schotten, Katalanen oder Flamen nicht Schlußlicht bei der Selbstbestimmung bleiben dürfe. Die FPÖ habe bereits ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, das die Rahmenbedingungen für die Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts der Südtiroler erörtern soll.

Bei der Josef-Noldin-Gedenkfeier am 9. Dezember in Salurn hielt der Dritte Nationalratspräsident die Festrede und erinnerte an diesen ersten Kämpfer gegen die Italianisierung Südtirols, der von Mussolini verbannt worden war. Dr. Josef Noldins Todestag jährte sich zum 83. Mal. Noldin ist durch seinen idealistischen Einsatz für die deutsche Sprache und Kultur in Südtirol auch heute noch weit über Salurn hinaus ein Vorbild.

Graf unterstrich in seiner Rede die Bedeutung Noldins und blickte auf andere europäische Unabhängigkeitsbewegungen. Auch Südtirol sei jetzt aufgerufen, sein Recht auf Selbstbestimmung auszuüben, und solle nicht tatenlos zusehen, wie andere Regionen konkrete Schritte in Richtung Sezession unternehmen.

Dieser Artikel erschien zuerst in „Der Schlesier“.

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